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Kritik
Irak kämpft gegen Öldeal von Rosneft und Kurden

Ölfeld bei Kirkuk: Kurden und Zentralregierung streiten um die Kontrolle. Keystone

Die Regierung in Bagdad verurteilt ein Abkommen zwischen den Kurden im Nordirak und dem Ölkonzern Rosneft. Der Konzernchef weist die Vorwürfe von sich. Rosneft habe nichts mit Politik zu tun.

Veröffentlicht am 19.10.2017

Die irakische Zentralregierung hat ein Öl-Abkommen zwischen den Kurden im Nordirak und dem russischen Ölkonzern Rosneft scharf verurteilt. Allein die Zentralregierung sei befugt, Verträge zu Investitionen im Energiesektor zu schliessen, betonte das Ölministerium.

Rosneft hatte am Mittwoch die Unterzeichnung eines Abkommens mit der kurdischen Autonomieregion über die Beteiligung an fünf Ölfeldern bekannt gegeben. Rosneft will für einen Anteil von 80 Prozent umgerechnet bis zu 392 Millionen Franken zahlen. Bis zu der Hälfte der Summe kann laut der Vereinbarung aber auch mit Rohöl aus den Feldern beglichen werden.

«Ich bin kein Politiker»

Das Geschäft sieht vor, dass im kommenden Jahr ein gemeinsames Programm zur Ölerkundung beginnt. Ab 2021 soll dann die Produktion anlaufen. Rosneft schätzt die Ölreserven der fünf Blocks auf mindestens 670 Millionen Barrel. Rosneft kooperiert bereits mit der Kurdenregion, hofft aber auf die Ausweitung der Präsenz «in dieser vielversprechenden Region».

Iraks Ölminister Dschabbar al-Luajbi sprach am Donnerstag von «unverantwortlichen Äusserungen», ohne Rosneft namentlich zu erwähnen. «Die Bundesregierung und das Ölministerium sind die einzigen Institutionen, die für die Entwicklung der Öl- und Gasstrategie verantwortlich und zum Unterzeichnen von Verträgen mit ausländischen Ländern und Konzernen befugt sind», sagte er.

Der Generaldirektor von Rosneft, Igor Setschin, erklärte daraufhin, wenn es Probleme zwischen der irakischen Regierung und den Kurden gebe, müssten sie diese selbst lösen. «Ich bin kein Politiker, meine Aufgabe ist es, Öl zu produzieren», sagte er.

Umstrittenes Referendum

Der Öldeal kommt wenige Tage, nachdem die irakischen Regierungstruppen die Ölfelder bei Kirkuk eingenommen hatten, die seit 2014 von den Kurden kontrolliert worden waren. Die Kontrolle der Felder bei Kirkuk und die Aufteilung der Einnahmen aus dem Ölexport waren seit langem zwischen Bagdad und der kurdischen Regionalregierung in Erbil umstritten.

Die Kurden hatte vor drei Wochen in einem umstrittenen Referendum für die Abspaltung von Bagdad gestimmt, doch reagierte die Zentralregierung auf das Votum mit einer Armeeoffensive, die die Kurden binnen Tagen aus praktisch allen Gebieten vertrieb, die sie seit 2003 ausserhalb der Autonomieregion unter ihre Kontrolle gebracht hatten.

Mit den Ölfeldern verlieren die Kurden rund die Hälfte ihrer Einnahmen. Es ist fraglich, ob ein unabhängiger Kurdenstaat ohne diese Ölfelder lebensfähig wäre.

(sda/gku)

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