Der Iran wirbt nach der Einigung im Atomstreit um ausländische Investoren für seine Schlüsselindustrien. Das Land wolle in erster Linie seinen Öl- und Gassektor, die Bergbau- und Metallindustrie sowie den Auto- und Autozulieferbereich ausbauen, sagte Handelsminister Mohammed Resa Nemazadeh am Donnerstag auf einer Iran-EU-Konferenz in Wien.

Der stellvertretende Öl-Minister Hussein Samaninia sagte, die Regierung hoffe, bis 2020 Verträge über rund 50 Öl- und Gasprojekte im Wert von 185 Milliarden Dollar abzuschliessen.

Iran will expandieren

Die Privatisierungspläne des Staates böten gute Möglichkeiten, sagte Nemazadeh. Es gebe dabei keine Beteiligungsschranken, sagte der Minister vor mehreren hundert europäischen Industrie- und Firmenvertretern in Wien.

Dabei machte er deutlich, dass sich das Land auch Exportchancen nach Europa erhofft. «Der Iran ist nicht mehr der gleiche Markt wie vor einem Jahrzehnt. Wir sind nicht mehr interessiert an einer einseitigen Einfuhr von Gütern und Maschinen aus Europa. Vielmehr wollen wir einen beidseitigen Handel sowie eine Zusammenarbeit in Entwicklung, Design und Maschinenbau», sagte Nemazadeh.

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Um das zu ermöglichen, wolle der Iran der Welthandelsorganisation beitreten und Handelsabkommen mit der EU und zentralasiatischen Ländern schliessen.

Die USA, die EU und die Vereinten Nationen haben zugesagt, ihre Sanktionen gegen das Land aufzuheben, wenn der Iran seine Nuklear-Aktivitäten auf lange Dauer begrenzt. Die Republik mit ihren 80 Millionen Einwohnern, hochqualifizierten Arbeitnehmern und vielen Rohstoffen gilt als «schlafender Riese».

ABB hofft auf Iran-Geschäft

Auch Schweizer Konzerne hoffen auf ein Stück vom persischen Megakuchen. ABB-Chef Ulrich Spiesshofer sagte am Donnerstag, dass man gerüstet sein werde, wenn der iranische Markt offen ist.

Ein Iran-Boom käme ABB gelegen. Der grösste Schweizer Industriekonzern kämpft mit einer Flaute in der Ölförderindustrie. Nach einem Auftrags- und Umsatzschwund im abgelaufenen Quartal will CEO Spiesshofer weiter an der Sparschraube drehen. In diesem Jahr hat ABB bereits 1500 Stellen gestrichen. Am Donnerstag betonte Spiesshofer aber, dass wegen der Marktlage und des starken Dollar weitere Anstrengungen nötig seien. Details nannte er nicht. «Wir erwarten, dass das Marktumfeld schwierig bleibt und wir auch weiterhin in rauer See segeln.»

(reuters/ise/gku)