1. Home
  2. Politik
  3. Iran hängt 20 sunnitische Extremisten an einem Tag

Drastisch
Iran hängt 20 sunnitische Extremisten an einem Tag

Hinrichtung im Iran: Am Dienstag worden gleich 20 Sunniten exekutiert. Keystone

Im Iran wurden an einem Tag 20 Sunniten wegen Terrorvorwürfen hingerichtet. Sie sollen Morde und Anschläge verübt haben. In der Islamischen Republik kommt es immer wieder zu Massenhinrichtungen.

Veröffentlicht am 04.08.2016

Im Iran sind bei der grössten Massenhinrichtung seit mehr als sieben Jahren 20 Mitglieder einer sunnitischen Extremistengruppe hingerichtet worden. Die «Terroristen» hätten Frauen, Kinder und sunnitische Geistliche ermordet und die nationale Sicherheit bedroht, sagte Generalstaatsanwalt Mohammed Dschawad Montaseri am Donnerstag im staatlichen Fernsehen.

Die 20 Häftlinge wurden demnach bereits am Dienstag erhängt. Nach Angaben der iranischen Regierung ist die Gruppe «Tauhid und Dschihad» für 24 Anschläge und Überfälle mit insgesamt 21 Toten in den Jahren 2009 bis 2012 verantwortlich. 2009 soll sie unter anderem zwei sunnitische Geistliche getötet haben, von denen einer auch dem mächtigen iranischen Expertenrat angehörte.

Wenige Anschläge

Insgesamt seien 102 Mitglieder und Unterstützer der Extremistengruppe identifiziert worden, sagte Montaseri im staatlichen Fernsehsender Irib. Einige von ihnen wurden den Angaben zufolge bei Gefechten mit den Sicherheitskräften getötet, während andere zu Haft- oder Todesstrafen verurteilt wurden.

Montaseri bezeichnete die hingerichteten Gefangenen, unter denen auch Ausländer seien, als «Takfiri». Im mehrheitlich schiitischen Iran wird dieser Begriff für sunnitische Dschihadisten benutzt.

Im Iran sind Anschläge von Gruppen wie der Terrormiliz Islamischen Staat (IS) bislang selten. An der Grenze zum Irak und zu Afghanistan und Pakistan liefern sich iranische Sicherheitskräfte aber regelmässig Gefechte mit Dschihadisten und kurdischen Rebellen.

Tausend Hinrichtungen

Im Juni hatten die iranischen Sicherheitskräften nach eigenen Angaben einen grossangelegten Anschlagsplan durchkreuzt. Sie nahmen demnach mehrere Terroristen fest, die Selbstmordanschläge in der Hauptstadt Teheran verüben wollten.

Nach Uno-Angaben wurden im Iran im vergangenen Jahr fast tausend Menschen hingerichtet. Die meisten Verurteilten wurden wegen Drogendelikten hingerichtet. Die Todesstrafe droht im Iran unter anderem wegen Mords, Vergewaltigung, bewaffneten Raubs, Drogenhandels und Ehebruchs.

Letzte Massenhinrichtung 2009

Bei der letzten grossen Massenhinrichtung waren im Juli 2009 in einem Gefängnis in Karadsch nahe Teheran an einem Tag 24 Drogenhändler hingerichtet worden - nur wenige Wochen nach der Hinrichtung von 20 Verurteilten im selben Gefängnis.

Zuvor hatte es zum letzten Mal im Juli 2008 eine Massenhinrichtung ähnlichen Ausmasses gegeben. Damals wurden an einem Tag 29 Todesurteile gegen verurteilte Drogenhändler, Mörder und Vergewaltiger vollstreckt.

(sda/gku)

Anzeige