Angesichts der Bedrohung durch die vorrückenden Extremisten im Nachbarland Irak hat die iranische Führung ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem Erzfeind USA bekundet. Über eine Kooperation in der Krise könne nachgedacht werden, sagte Präsident Hassan Ruhani am Samstag im Staatsfernsehen. Voraussetzung sei aber, dass die US-Regierung zuerst «Terrorgruppen im Irak und anderswo» bekämpfe. Aus Regierungskreisen in Washington verlautete, bislang gebe es keine Gespräche mit dem Iran. Die irakische Armee meldete Erfolge an verschiedenen Abschnitten der Front.

Der schiitisch geprägte Iran verfolgte die jüngsten Erfolge der sunnitischen Gruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isil) mit Sorge. Die Regierung in Teheran hat dem Nachbarstaat Militärgüter angeboten, schließt den Einsatz von Bodentruppen jedoch aus. Diplomatenkreisen zufolge wird der irakische Ministerpräsident Nuri Al-Maliki - selbst ein Schiit - bereits von hochrangigen iranischen Militärkommandeuren beraten.

Barack Obama: Keine US-Bodentruppen

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte jüngst von einem hochrangigen iranischen Vertreter erfahren, dass eine Zusammenarbeit mit den USA von der Führungsspitze des Landes diskutiert wird. Die Beziehungen zum «Großen Satan» USA haben sich seit der Wahl Ruhanis zum Präsidenten etwas entspannt.

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Die Regierung in Washington hat ihrerseits zwar dem Irak Unterstützung im Kampf gegen die Isil angeboten. US-Präsident Barack Obama machte am Freitag jedoch deutlich, amerikanische Soldaten würden nicht wieder ins Land geschickt. Für die Prüfung weiterer Optionen werde er noch einige Tage Zeit benötigen. Spekuliert wird über Luftangriffe mit Drohnen.

Rebellen kämpfen auch in Syrien

Allerdings gibt es nach Angaben aus US-Sicherheitskreisen in den USA die Befürchtung, dass den kleinen Gruppen von Isil-Kämpfern aus der Luft kaum beizukommen ist. Der Zusammenbruch der von den USA mit Milliarden geförderten irakischen Armee bei den Kämpfen im Norden des Landes lasse in Washington ebenfalls Zweifel an einem Eingreifen aufkommen, sagten Insider. «Es ist ein riesiges Schlamassel», sagte eine Person. Das US-Militär war 2011 aus dem Irak abgezogen.

Die Isil kämpft im Irak und in Syrien für die Errichtung eines Kalifats. In beiden Staaten hat sie in jüngster Zeit Siege errungen. In der vergangenen Woche eroberte sie in einer Blitzoffensive im Nordirak Mossul, die zweitgrößte Stadt des Landes, und rückte anschließend bis auf eine Autostunde an Bagdad heran. Al-Maliki erklärte am Freitag, die Truppen an der Front würden bald durch Einheiten von Freiwilligen verstärkt werden. Hochrangige irakische Geistliche haben die Schiiten im Land aufgerufen, gegen die Isil zu den Waffen zu greifen.

(reuter/gku)