Ein klares Ja für die Homo-Ehe: Die Iren haben in einem Volksentscheid für die Gleichstellung homosexueller Paare gestimmt. Die Befürworter erreichten nach amtlichen Angaben eine deutliche Mehrheit von etwa 62 Prozent. Die erzkatholische Insel ist damit das erste Land, das die Homo-Ehe per Referendum einführt.

Zeitenwende, Revolution oder einfach ein «glücklicher, glücklicher Tag» - die Menschen in Dublin, die den Ausgang des Referendums feierten, waren begeistert. Die Verkündung des Ergebnisses ging in Zentrum der irischen Hauptstadt in ohrenbetäubendem Jubel unter. Die Feierstimmung war bestens, denn das Ergebnis hatte sich früh abgezeichnet. Spontan stimmten die Menschen die Nationalhymne an.

Leid Homosexueller in Irland

«Es ist berauschend, die Atmosphäre ist elektrisierend», sagte der 27-jährige Paul Bonass unter einem grossen silbernen «Yes»-Ballon. Eine junge Frau namens Amanda sagte, sie sei «absolut überglücklich, überwältigt, verblüfft, so stolz Irin zu sein».

Der 60-jährige Peter Lynch erinnerte an das Leid Homosexueller in Irland: «Ich bin 60. Die ersten 40 Jahre meines Lebens war ich ein Krimineller. Die nächsten 20 Jahre ein Bürger zweiter Klasse. Ein aussergewöhnlicher Tag.»

Irlands Zeitenwende

Der Triumph des Ja-Lagers bedeutet für Irland eine Zeitenwende: Bis 1993 stand Homosexualität in Irland noch unter Strafe. Seit vier Jahren können Schwule und Lesben ihre Partnerschaften zwar eintragen lassen, eine wirkliche Gleichstellung mit heterosexuellen Paaren blieb ihnen aber bisher verwehrt.

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Bei dem Referendum waren rund 3,2 Millionen Iren wahlberechtigt. Sie konnten am Freitag über eine Verfassungsänderung abstimmen, wonach Ehen künftig unabhängig vom Geschlecht geschlossen werden dürfen. 37,9 Prozent votierten dagegen. Die Beteiligung an dem Referendum lag bei 60,5 Prozent.

Ministerpräsident Enda Kenny hatte wie alle grossen Parteien für die Homo-Ehe geworben, während die katholische Kirche dagegen Sturm lief. Doch mehrere Skandale um Kindesmissbrauch haben den Einfluss der einst in Irland übermächtigen Institution schwinden lassen.

Kirche will sich hinterfragen

Der Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin, rief seine Kirche zu einem «Realitätscheck» auf. Die Volksbefragung habe eine «soziale Revolution» fortgesetzt, sagte der Kleriker dem Staatsfernsehen RTE. «Sind wir komplett von den jungen Leuten abgedriftet?» Die Kirche stehe vor der grossen Herausforderung, ihre Botschaft künftig zu den Menschen zu bringen, sagte Martin, der selbst mit Nein gestimmt hatte.

Der britische Premierminister David Cameron und US-Vizepräsident Joe Biden gratulierten den Iren zu ihrer Entscheidung. Biden, der irische Wurzeln hat, schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter: «Wir begrüssen Irlands Unterstützung für Gleichheit. #LoveWins.» Mit dem Ergebnis ist Irland das weltweit 19. Land, das die Homo-Ehe einführt. In Europa sind es derzeit 13.

(sda/moh)