Bei den Parlamentswahlen in Island hat die Regierung aus Rechtsliberalen und Konservativen ihre Mehrheit verloren. Das stand am Sonntagmorgen nach Auszählung fast aller Stimmen fest.

Aber auch eine von den Piraten angestrebte Viererkoalition mit Links-Grünen, Sozialdemokraten und der Partei Bright Future (Glänzende Zukunft) holt keine Mehrheit. Knifflige Lage auf Island: Ihrer Regierung haben die Isländer den Laufpass erteilt. Doch auch einer von den Piraten angeführten Koalition fehlt wohl die Mehrheit. Wer übernimmt nun das Ruder?

Konservative als Wahlsieger

Als Wahlsieger feierten sich die Konservativen, die voraussichtlich künftig mit 21 Sitzen im Parlament vertreten sein werden. Den rechtsliberalen Regierungspartner, die Fortschrittspartei, straften die Wähler dagegen gnadenlos ab.

Sie verliert voraussichtlich 11 ihrer 19 Sitze. Das schreibt der rechtsliberale bisherige Regierungschef Sigurdur Ingi Jóhannsson vor allem den «Panama Papers» zu.

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Nach den Enthüllungen über Briefkastenfirmen in Steueroasen hatte sein Vorgänger Sigmundur David Gunnlaugsson im April zurücktreten müssen. Er hatte verschwiegen, dass seine Frau eine Offshore-Firma auf den Britischen Jungferninseln besitzt. Die Enthüllungen hatten die grössten Proteste in der Geschichte Islands ausgelöst. Die Wahlen waren deshalb vorgezogen worden.

Regierungschef tritt zurück

Nach den deutlichen Einbussen für die Regierungskoalition bei der vorgezogenen Parlamentswahl in Island ist Regierungschef Sigurdur Ingi Johannsson am Sonntag zurückgetreten. Er habe seinen Rücktritt bei Präsident Gudni Johannesson eingereicht, der ihn gebeten habe, bis zur Bildung einer neuen Regierung im Amt zu bleiben, sagte Johannsson anschliessend vor Journalisten in Reykjavik.

Die 2012 nach schwedischem Vorbild gegründete Piratenpartei kommt wohl auf 14,5 Prozent der Stimmen und kann die Zahl ihrer Sitze im Parlament damit verdreifachen. «Die Tatsache, dass uns so viele Isländer vertrauen, ist grossartig», jubelte die Piraten-Abgeordnete und Mitgründerin Birgitta Jónsdottír bei der Wahlparty ihrer Partei. Umfragen vor der Wahl hatten die Piraten allerdings bei 18 bis 20 Prozent gesehen.

Überraschende Links-Grüne

Einen Überraschungserfolg feierten die Links-Grünen, die mit 17,1 Prozent der Stimmen und elf Sitzen voraussichtlich zweitstärkste Partei im Parlament werden. Vor der Wahl hatten die Links-Grünen um Katrin Jakobsdottír mit der Piratenpartei, Sozialdemokraten und der Bright-Future-Partei die Zusammenarbeit in einem Viererbündnis vereinbart, sollten die Parteien eine Mehrheit erreichen.

Danach sah es am Sonntagmorgen vor allem aufgrund des historisch schlechten Abschneidens der Sozialdemokraten aber nicht aus. Die Partei rutscht wohl auf knapp sechs Prozent ab und verliert sechs ihrer neun Sitze.

(sda/chb)