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Terrorismus
Islamisten forderten für US-Reporter Foley Lösegeld

Die Eltern John und Diane Foley des ermordeten Reporters James Foley.   Keystone

Die islamistischen Terroristen wollten von den Eltern des ermordeten US-Reporters James Foley Geld für seine Freilassung.

Veröffentlicht am 21.08.2014

Vor der Hinrichtung des verschleppten US-Reporters James Foley hat die Extremistengruppe Islamischer Staat monatelang versucht, die Eltern zur Zahlung eines Lösegelds zu bewegen. Als sie mit ihren Forderungen nicht durchdrangen, informierten die Dschihadisten nach Angaben von Foleys Arbeitgeber die Eltern knapp eine Woche im Voraus, dass ihr Sohn nun getötet werde. Als Begründung führten die IS-Kämpfer die US-Luftschläge im Nordirak an. Der Fall zeigt, wie die Extremisten verschleppte Journalisten entweder gezielt als Einnahmequelle oder als politisches Druckmittel einsetzen.

Das erste Erpresserschreiben hätten die Islamisten per E-Mail im November 2013 und damit rund ein Jahr nach Foleys Verschwinden in der syrischen Provinz Idlib an die Familie geschickt, sagt der Chef des Online-Nachrichtendiensts GlobalPost, Phil Balboni. Die Familie liess sich nicht darauf ein. Im Gegensatz zu anderen Ländern wie etwa Frankreich lehnen die USA die Zahlung von Lösegeld in solchen Fällen grundsätzlich ab. Es seien daher nur wenige Nachrichten ausgetauscht worden, erinnert sich Balboni. Die Extremisten hätten sich kurz gefasst. «Sie stellten nur ihre Forderungen.» Über die Höhe der Lösegeldforderung macht er keine Angaben.

«Bitte um Gnade»

Danach hörte Foleys Familie monatelang nichts. In der Nacht vom 13. August - und damit sechs Tage vor Veröffentlichung des Enthauptungsvideos auf Youtube - erhielten die Eltern dann die kurze Nachricht, dass ihr Sohn hingerichtet werden solle. Die Familie habe die Ankündigung an die US-Behörden weitergeleitet, berichtet Balboni. Das FBI half den Eltern, ein Antwortschreiben aufzusetzen. «Es war eine Bitte um Gnade», sagt Foleys Chef. Sie hätten versucht zu erklären, dass James ein unschuldiger Journalist gewesen sei, der das syrische Volk respektiert habe.

Foleys Familie und Freunde hofften nach Angaben von Balboni, dass die Islamisten nur bluffen würden und weiterhin Lösegeld wollten. Doch einige Tage später veröffentlichten die Extremisten das Video, in dem ein schwarzgekleideter Kämpfer den 40-Jährigen enthauptet. Darüber hinaus droht IS mit der Ermordung eines weiteren amerikanischen Journalisten, nämlich Steven Sotloff, sollte US-Präsident Barack Obama nicht sofort ein Ende der Luftangriffe verkünden. Die US-Regierung lehnte eine Stellungnahme zu der vorab geschickten Warnung der Extremisten an die Eltern ab.

Massiver Druck

Nach Angaben von französischen Journalisten, die im Gegensatz zu Foley und Sotloff im Frühjahr aus der Geiselhaft der IS-Miliz freigekommen waren, setzten die Islamisten auch ihre Gefangenen massiv unter Druck. So sagte der erfahrene Kriegsberichterstatter Didier Francois der Nachrichtenagentur Reuters, er habe in den vergangenen Monaten kein öffentliches Wort über Foley oder Sotloff gesprochen, weil die Extremisten für diesen Fall sonst mit der Hinrichtung aller Geiseln gedroht hätten. Die Zelle habe er mit Foley seit Oktober 2013 geteilt.

Ein weiterer französischer Journalist, der mit Foley in Gefangenschaft sass, berichtet, wie die Islamisten den US-Kollegen besonders malträtiert hätten, nachdem sie herausgefunden hätten, dass dessen Bruder bei der US-Luftwaffe arbeitete. «Er wurde der Prügelknabe der Gefängniswärter», erinnert sich Nicolas Henin in einem Interview des Magazins «Express». «Doch er liess sich nicht brechen.»

(reuters/chb)

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