Knapp sechs Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise hat die isländische Regierung den Gläubigern der damals zusammengebrochenen Banken Kaupthing, Glitnir und Landsbanki gedroht, die Institute in die Insolvenz zu schicken. Gefordert wird ein Schuldenschnitt. Zur Insolvenz könne es kommen, wenn sich die Geldgeber nicht zu einem Schuldenerlass bereiterklärten, sagte Finanzminister Bjarni Benediktsson am Dienstag in einem Telefoninterview. «Es sollte jedem klar sein, dass sich die Abwicklung nicht ewig hinziehen kann.»

Sollte sich kein Erfolg einstellen, müsse man den nächsten Schritt gehen. Er sagte allerdings nicht, wie hoch der Schuldenschnitt für Gläubiger wie die Bayerische Landesbank oder eine US-Tochter der Deutschen Bank sein soll. Gläubiger haben beklagt, dass die isländische Regierung nicht erklärt hat, wie der Konflikt gelöst werden soll.

Schuldenlast in der Krise bei mehr als 75 Milliarden Dollar

Auch Schweizer Kunden waren vom Zusammenbruch der Banken betroffen, wobei einige ihr Geld ausbezahlt erhielten, andere jedoch mit Verlusten rechneten. Insgesamt nahm der Zusammenbruch ein glimpfliches Ende. Die isländischen Institute waren 2008 unter einer Schuldenlast von mehr als 75 Milliarden Dollar zusammengebrochen. Die damals eingeführten Kapitalverkehrskontrollen können erst wieder aufgehoben werden, wenn sich die Regierung mit den Gläubigern einigt.

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Die Verbindlichkeiten belaufen sich heute auf 22 Mrd. Dollar in Form von Bargeld, Aktien und Anleihen. Benediktsson sagte, die Pläne der geschlossenen Banken zur Auszahlung von Gläubigern reichten nicht aus, um die Risiken für die isländische Wirtschaft und die Landeswährung Krone zu verringern.

(sda/moh)