Im Gazastreifen haben sich israelische Kommandotruppen der Marine am Sonntag eine Schiesserei mit der radikal-islamischen Hamas geliefert. Es war das erste Gefecht dieser Art am Boden seit Beginn der israelischen Offensive in dem Palästinensergebiet vor sechs Tagen.

Das israelische Militär erklärte, die Soldaten hätte ein Ziel im Norden Gazas angegriffen, von dem aus wiederholt Raketen auf Israel abgefeuert worden seien. Die Soldaten seien beschossen worden und hätten das Feuer erwidert. Die Hamas dagegen erklärte, sie habe die Soldaten vor der Küste beschossen und verhindert, dass sie an Land gingen.

Die Hamas, die im Gazastreifen das Sagen hat, hat Hunderte Raketen auf Israel abgeschossen. Sie sind tiefer im Land eingeschlagen als je zuvor. Auch am Samstag heulten die Alarmsirenen in Israel. Die meisten Raketen werden allerdings abgefangen oder schlagen in unbewohntem Gebiet ein.

Die israelische Regierung hat wiederholt erklärt, dass eine Bodenoffensive gegen die militante Hamas noch immer eine Option sei. Es seien bereits rund 20'000 Reservisten mobilisiert worden.

Beim jüngsten israelischen Luftangriff auf den Polizeichef von Gaza wurden nach palästinensischen Behördenangaben eine Frau und ein dreijähriges Mädchen getötet. Insgesamt seien 149 Menschen getötet worden, darunter viele Zivilisten. Durch den Raketenbeschuss kam bislang kein Israeli ums Leben.

Israel warnt Einwohner im Norden von Gaza vor Angriffen

Ungeachtet aller Bemühungen um eine Waffenruhe gehen die harten Kämpfe zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden Hamas unvermindert weiter. In Vorbereitung grösserer Angriffe rief Israels Armee am Sonntag die Einwohner des nördlichen Gazastreifens über Flugblätter dazu auf, ihre Wohngebiete bis zum Mittag zu räumen.

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Die meisten Raketen auf Israel würden aus dieser Gegend um Beit Lahia abgefeuert, erklärte der israelische Militärsprecher Peter Lerner.

Auch am Sonntagmorgen gab es wieder Raketenangriffe militanter Palästinenser, unter anderem auf den internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv. Die Raketenabwehr fing die Geschosse ab, andere landeten auf unbewohntem Gebiet.

Eine Kommandoeinheit der israelischen Marine war in der Nacht an der Küste des Gazastreifens gelandet. Sie seien dort gegen Abschussrampen vorgegangen, von denen Raketen mit längerer Reichweite auf Israel abgefeuert worden seien, sagte Lerner.

Vier der Soldaten seien bei Schusswechseln mit militanten Palästinensern verletzt worden, bevor die Elitetruppen sich wieder zurückzogen. Es war der erste Bodeneinsatz israelischer Truppen in der aktuellen Krise.

Bei einem Luftangriff auf das Haus des Polizeikommandanten von Gaza waren am Samstagabend mindestens 18 Menschen getötet worden. Auch eine benachbarte Moschee wurde bei dem Bombardement getroffen.

Am sechsten Tag der israelischen Luftangriffe stieg die Zahl der Toten auf 163. 1085 Menschen seien seit Beginn der Offensive verletzt worden, teilte der Sprecher der örtlichen Rettungsdienste, Aschraf al-Kidra, über Twitter mit.

(sda/chb)