Die italienische Justiz hat Ermittlungen gegen Notenbankchef Ignazio Visco bestätigt. Der Gouverneur der Bank von Italien und sieben weitere Personen seien am 3. August 2015 ins Ermittlungsregister eingetragen worden, teilte Staatsanwalt Alessandro Cannevale in Spoleto (Umbrien) mit. Die Staatsanwaltschaft gehe damit einer Anzeige gegen diese Personen nach. Zu den Vorwürfen selbst machte der Staatsanwalt keine Angaben.

Am Dienstag hatte die italienische Zeitung «Il Fatto Quotidiano» zuerst über die Ermittlungen berichtet. Demnach hat eine Genossenschaft von 21'000 Aktionären der Volksbank von Spoleto Anzeige gegen den Notenbankchef und sieben Bankmanager erstattet. Sie fühlten sich bei dem Weiterverkauf des Geldinstituts an die norditalienische Banco di Desio übervorteilt.

Nationalbank schweigt

Die Bank von Italien nahm zu den Vorwürfen zunächst keine Stellung, bestätigte jedoch, dass sie die Volksbank von Spoleto 2012 überprüft und im Jahr darauf unter eine Sonderverwaltung habe stellen lassen. Die Verwalter hätten dann im Februar 2014 mit Zustimmung der Bank von Italien die Offerte der Banco di Desio angenommen. Die Genossenschaft beklagt, dass ein besseres Angebot einer anderen Bank ignoriert worden sei. Der 65-jährige Visco ist seit 2011 im Amt.

(awp/chb)