Nach Angabe von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf verstehen die Finanzminister anderer IWF-Staaten den Entscheid der Schweizer Nationalbank vor drei Monaten, den Franken vom Euro abzukoppeln. Die Finanzministerin sagt vor Medienvertretern am Frühjahrstreffen des Internationalen Währungsfonds IWF und der Weltbank am Samstag in Washington, zwar habe die Frankenstärke in verschiedenen Ländern zu Wertverlusten geführt. Ihre Amtskollegen könnten den Entscheid der Nationalbank aber nachvollziehen.

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Die Schweiz habe keine Kritik geerntet, sondern die Gelegenheit gehabt, offene Gespräche über die Folgen der Abkoppelung zu führen. Weiter wurden die Wechselkurse und ihre Auswirkungen auf die Rohwarenpreise diskutiert, die grossen Bewegungen ausgesetzt sind.

Schweiz wächst unterdurchschnittlich

Laut den Prognosen des IWF wächst die Schweizer Wirtschaft weniger als der globale Durchschnitt. Für das laufende Jahr wird ein Weltwirtschaftswachstum von 3 Prozent vorausgesagt. Zugpferde des weltweiten Wachstums sind laut dem IWF die USA, Kanada und Grossbritannien. In Brasilien und China hat sich das Wachstum verlangsamt, es beträgt im Falle Chinas aber immer noch stolze 8 Prozent.

In der Schweiz werden dieses Jahr infolge der Frankenstärke nur 0,9 Prozent Wachstum erwartet, im nächsten 1,8 Prozent. Widmer-Schlumpf wies darauf hin, dass Wirtschaftswachstum und stabile Finanzmärkte nur erreicht werden können, wenn die Reformen im Finanzsektor konsequent umgesetzt würden.

US-Senat blockiert Stimmrechtsreform

Zur Sprache kam am IWF-Treffen auch die Reform der Stimmrechtsquoten, die 2010 beschlossen wurde, im US-Senat aber immer noch hängig ist. Die Finanzminister hätten eine Übergangslösung diskutiert, sagte Widmer-Schlumpf. Denkbar sei, dass man eine geringe Erhöhung der Gesamtquote beschliesse, um den Schwellen- und Entwicklungsländern zu mehr Mitspracherecht im IWF zu verhelfen.

Am Treffen wurde weiter die Schuldenlast vieler Industrieländer besprochen. Die Inflation sei überall tief, nicht nur in der Schweiz. Sie könne sich aber nicht erinnern, dass die Schweiz schon einmal mit einer negativen Teuerung zu kämpfen hatte wie gegenwärtig, sagte die Finanzministerin.

Schneider-Ammann ebenfalls in Washington

Neben Widmer-Schlumpf nahm Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann am Treffen in Washington teil. Der Bundesrat sagte, die Weltbank stecke in einem grossen Reformprozess, der ihr zu mehr Effizienz verhelfen soll. Der zuständige Weltbank-Sekretär habe ihm versichert, die Bank setze sich dafür ein, messbare Resultate zu erzielen. Zudem würden Projekte auf ihre Wirkung überprüft, um gegenüber den Geldgebern Bericht erstatten und Fortschritte aufzeigen zu können.

In bilateralen Treffen sprach Schneider-Ammann mit Vertretern Indonesiens und lud dessen Präsidenten Joko Widodo zu einem Staatsbesuch in die Schweiz ein.

(awp/ise)