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Abstimmung
Jagger gegen Connery: Der heisse Streit um Schottland

Auf der Insel gibt es nur noch ein Thema: Das Referendum über die Unabhängigkeit der Schotten. Prominente positionieren sich ebenso wie Schweizer Grossbanken. Selbst Nordkorea ergreift Partei.

Von Mathias Ohanian
am 12.09.2014

Das anstehende Referendum der Schotten über ihre politische Zukunft beherrscht derzeit alle Gespräche auf der britischen Insel. Nun absolvierte auch der in Schottland so unpopuläre britische Premier David Cameron in dieser Woche mit einer emotionalen Rede einen denkwürdigen Auftritt.

Cameron warf alles in die Waagschale – und wirkte wie einer, der ernsthaft Angst hat, von seiner geliebten Ehefrau verlassen zu werden. Er appellierte an das gemeinsame Glück: Cameron würde es das Herz brechen, sollten die Schotten die «Familie des Königreichs» verlassen wollen. Wie ein wirklich Verzweifelter drohte Cameron: Der Abschied vom Königreich sei für Schottland unumkehrbar, eine Rückkehr unmöglich, sagte er.

UBS und Credit Suisse warnen vor Schotten-Spaltung

Freilich bewegt das Thema nicht nur die Politik: Seit Wochen schon warnen grosse Teile der Wirtschaft vor einer Abspaltung, öffentlichkeitswirksam nun auch UBS und Credit Suisse. Zwei Vertreter die beiden Schweizer Grossbanken diskutierten in dieser Woche im Londoner Studio des amerikanischen TV-Senders CNBC in der Sendung «Squawk Box» die möglichen Auswirkungen einer Spaltung.

Die Angst vor Verwerfungen ist vor allem in der Finanzbranche gross. Nicht zuletzt, weil völlig unklar ist, mit welcher Währung man in einem unabhängigen Schottland bezahlen oder wie die Staatsschuld zwischen dem Rest des Königreichs und den Schotten aufgeteilt würde.

Angst vor wirtschaftlichem Schock

Die Bank habe ihre optimistische Erwartung für europäische Staatsanleihen zurückgenommen, sagte Stephane Deo, verantwortlich für die weltweite Vermögensaufteilung bei der UBS. Der Ausgang des Schotten-Referendum könnte in Grossbritannien einen wirtschaftlichen Schock auslösen, betonte Michael O’Sullivan, Investmentschef der Credit Suisse für Grossbritannien.

Dabei stehen im Fokus der Sezessionsgegner derzeit vor allem die Männer der schottischen Unterschicht, die laut Umfragen am ehesten die Abspaltung befürworten. 

Jagger und McCartney gegen Butler und Connery

Einen riesigen Zulauf bekommt in diesen Tagen auch der offene Brief prominenter Briten, der mit den Worten «Let's stay together» – lasst uns zusammen bleiben – übertitelt ist. Dem Aufruf haben sich inzwischen Stars wie Mick Jagger, Paul McCartney, Emma Thompson oder Sting angeschlossen. Bestseller-Autorin Joanne Rowling spendete schon im Sommer eine Million Pfund für die Kampagne der Unabhängigkeitsgegner. 

Demgegenüber stehen prominente schottische Schauspieler wie Gerard Butler oder Sean Connery – die beide für die Abspaltung votieren wollen. Absurd: Selbst Nordkorea hat sich in die emotionale Debatte laut einem Medienbericht schon eingeschaltet (siehe Bildergalerie).
 

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