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Jair Bolsonaro wird neuer Präsident Brasiliens

RIO DE JANEIRO, BRAZIL - OCTOBER 28: Jair Bolsonaro, far-right lawmaker and presidential candidate of the Social Liberal Party (PSL), gestures after casting his vote during general elections on October 28, 2018 in Rio de Janeiro, Brazil.  (Photo by Buda Mendes/Getty Images)
Jair Bolsonaro ist der neue Präsident von Brasilien.Quelle: 2018 Getty Images

Jair Bolsonaro wird neuer Präsident der grössten Volkswirtschaft Lateinamerikas. Viele bezeichnen ihn als «Trump Brasiliens».

Veröffentlicht am 29.10.2018

Im Jahr 1993 schockieren die Worte des Kongressabgeordneten Jair Bolsonaro die noch junge Demokratie in Brasilien. «Ja, ich bin für die Diktatur!», ruft er seinen Kollegen im Plenum zu. «Mit dieser unverantwortlichen Demokratie werden wir niemals die tiefgreifenden nationalen Probleme lösen.» 25 Jahre später wird der Ex-Fallschirmjäger und Armee-Hauptmann Präsident in Lateinamerikas grösster Volkswirtschaft:

Am Sonntag hat sich Jair Bolsonaro bei der entscheidenden Stichwahl für das Amt des brasilianischen Präsidenten gegen den Kandidaten der linken Arbeiterpartei, Fernando Haddad, durchgesetzt.

Brasilien ist in Bolsonaros Augen ein dysfunktionaler Staat, in dem nur jemand mit harter Hand für Ordnung sorgen kann. Gewaltverbrecher? Bolsonaro sagt: «Alle erschiessen.» Politische Gegner? - «Sie auch.»

Korruption? Ein Militärputsch könnte nach Bolsonaros Worten den Sumpf trockenlegen, wenn die Justiz es nicht schafft. Die Wirtschaft? Bolsonaro will staatliche Unternehmen privatisieren, damit sich Politiker dort nicht länger bedienen können.

«Wir können Kriminelle nicht wie menschliche Wesen behandeln, die Respekt verdienen», erklärt Bolsonaro im August. Einige Tage später greift er auf einer Wahlkampfveranstaltung nach dem Stativ eines Kameramanns und tut so, als würde er damit um sich feuern: «Wir werden alle Unterstützer der Arbeiterpartei erschiessen», ruft er der jubelnden Menge zu. Später lässt sein Wahlkampfteam mitteilen, es habe sich um einen Scherz gehandelt.

Eine Verurteilung der Militärdiktatur von 1964 bis 1985 kommt dem heute 63-Jährigen nicht über die Lippen. Überhaupt setzt er eher auf harsche Töne als auf Versöhnung. Im Visier des Rechtsaussen stehen Frauen, Homosexuelle, Schwarze und die Ureinwohner des Landes.

Einer Abgeordneten sagte er einst, sie verdiene es noch nicht einmal, von ihm vergewaltigt zu werden. Er wird auch zitiert mit der Äusserung, ihm wäre es lieber, wenn sein Sohn stürbe als dass er sich als schwul outen könnte.

Bolsonaro spaltet Brasilien

Bei vielen Brasilianern schrillen die Alarmglocken bei Bolsonaros Worten, der in seiner fast 30-jährigen politischen Laufbahn bereits neun Parteien angehörte. Bei einer Wahlkampfveranstaltung im September wurde er von einem offenbar psychisch gestörten Mann niedergestochen und schwer verletzt.

Von vielen wird er mit Blick auf den US-Präsidenten als « Trump Brasiliens» bezeichnet - nicht zuletzt wegen seiner Präsenz in den sozialen Netzwerken.

Beraten liess er sich auch vom früheren Chefstrategen Donald Trumps, Steve Bannon. Und wie Trump drohte Bolsonaros mit einem Ausstieg seines Landes aus dem Pariser Klimaschutzabkommen. Er schwächte die Drohungen später ab.

Gezielte Tabubrüche

Mit Trump gemeinsam hat der frühere Fallschirmjäger auch die gezielten Tabu-Brüche, die besonders bei den Frustrierten und gesellschaftlich Abgehängten gut ankommen.

Brasilien leidet immer noch an den Folgen einer schweren Rezession, rund 13 Millionen der mehr als 200 Millionen Einwohner sind arbeitslos. Gewaltverbrechen und Drogenkriminalität sind in allen Landesteilen an der Tagesordnung, die Politikerriege ist in diverse Korruptionsskandale verstrickt.

Brasiliens Messias

Viele Brasilianer erhoffen sich, dass Bolsonaro aufräumt. «Er ist nur der Beginn des Umbruchs, den wir alle wollen», hofft der 26-jährige Student Raphael Enohata. Wenn Bolsonaro Bestechung eindämme und korrupten Politikern den Garaus mache, gebe es bereits bei der nächsten Präsidentenwahl viel mehr Kandidaten, die die Interessen des Landes über ihre eigenen stellten.

«Gott hat mich in dieses Rennen geschickt», sagte Bolsonaro nach der Nominierung durch seine rechtskonservative Sozial-Liberale Partei. «Meine Mutter hat mir den Zweitnamen 'Messias' gegeben. Aber ich allein werde nicht der Erlöser Brasiliens sein. Wir werden es alle gemeinsam retten.»

(sda/tdr/bsh)

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