Der japanische Regierungschef Shinzo Abe hat am Mittwoch sein Regierungsteam umgebildet und drei Frauen neu ins Kabinett berufen. Zu den prominentesten Neubesetzungen zählt die 40-jährige Yuko Obuchi. Die Tochter des früheren Regierungschefs Keizo Obuchi übernimmt das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie. Ebenfalls neu im Kabinett sind die 58-jährige Justizministerin Midori Matsushima und die 43-jährige Frauenministerin Haruko Arimura.

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Mit nun fünf Frauen unter insgesamt 18 Ministern kommt Abe zumindest auf Regierungsebene dem von ihm ausgegebenen Ziel näher, bis zum Jahr 2020 30 Prozent aller Führungspositionen in Japan mit Frauen zu besetzen. Frauen seien die «ungenutzteste Ressource» Japans, hatte Abe früher im Jahr gesagt. Nur elf Prozent der Führungspositionen in Japan sind mit Frauen besetzt. Zugleich wird das Land immer älter, junge Arbeitskräfte sind zunehmend rar. Auch der Politikbetrieb ist bislang eine Domäne älterer Herren.

Schlüsselpositionen unverändert

Trotz dem prominenten Zugang: Schlüsselpositionen wurden bei der ersten Kabinettsumbildung seit Abes Amtsantritt im Dezember 2012 nicht neu besetzt. Aussenminister Fumio Kishida bleibt ebenso im Amt wie Finanzminister Taro Aso und der Kabinettssekretär Yoshihide Suga.

Beobachter werteten den Postentausch auf den niederen Kabinettsrängen auch als Machtdemonstration Abes gegenüber seiner Liberaldemokratischen Partei (LDP), in der Berichten zufolge verschiedene Hinterbänkler Regierungsposten einfordern.

Börse frohlockt

Mit der Neubildung der Regierung sind einige Hoffnungen verbunden. Im Mittelpunkt des Interesses steht der neue Arbeitsminister Yasuhisa Shiozaki, der für den Pensionsfonds der Regierung (GPIF) zuständig ist. Die Pläne des Ministers sehen vor, das Portfolio des Rentenfonds umzuschichten und dabei stärker auf Inlandsaktien zu setzen. Zugleich soll der Fonds direkt am Markt als Käufer auftreten und Transaktionen nicht mehr über Vermögensverwalter tätigen. Experten schätzen, dass dem Aktienmarkt durch die Reformen umgerechnet rund 100 Milliarden Dollar (92 Milliarden Franken) an frischem Geld zufliessen werden.

Entsprechend positiv reagierte die Börse auf die erste Regierungsumbildung Abes seit dem Regierungsantritt im Dezember 2012. Der Leitindex Nikkei stieg zwischenzeitlich auf ein Sieben-Monats-Hoch und ging mit einem Plus von rund 0,4 Prozent aus dem Handel.

Mehrwertsteuererhöhung nach Aufschwung

«Die Reformen in Japan dürften sich beschleunigen», prophezeite Ökonom Ryota Sakagami vom Finanzhaus SMBC Nikko Securities. Für das dritte Quartal wird gemeinhin mit einem aufs Jahr hochgerechneten Plus von rund drei bis fünf Prozent beim Bruttoinlandsprodukt gerechnet. Angekurbelt werden könnte der Konsum durch Bonuszahlungen vor allem grosser Unternehmen an ihre Mitarbeiter. Zudem stehen die Chancen für Lohnerhöhungen nicht schlecht, da es für die Firmen zunehmend schwierig ist, geeignete Mitarbeiter zu finden.

Sollte sich die Wirtschaft rasch wieder erholen, dürfte Abe nach Einschätzung von Experten die Mehrwertsteuer im Oktober 2015 wie geplant von acht auf zehn Prozent anheben. Als Abwehrmassnahme gegen die hohe Staatsverschuldung hatte er in einem ersten Schritt die Mehrwertsteuer bereits im April erhöht und damit dem Konsum zugleich einen Dämpfer verpasst.

Die unpopuläre Erhöhung gilt jedoch als mutige Reformanstrengung Abes: Sie war der erste Versuch einer Regierung seit mehr als 15 Jahren, die galoppierende Staatsverschuldung Japans in den Griff zu bekommen. Gemessen an der Wirtschaftsleistung hat das Land den höchsten Schuldenberg aller Industrienationen aufgetürmt.

(Reuters/sda/ise)