Im Machtkampf mit der Parteispitze des rechtsextremen Front National (FN) in Frankreich hat Parteigründer Jean-Marie Le Pen nachgegeben: Der 86-jährige FN-Ehrenvorsitzende verzichtete am Montag auf eine Kandidatur bei den Regionalwahlen.

Er werde in der südfranzösischen Region Provence-Alpes-Côte d'Azur (Paca) nicht ins Rennen gehen, sagte Le Pen dem «Figaro Magazine» vom Montag. Er verzichte auf eine Kandidatur, auch wenn er der «beste Kandidat» für den FN wäre.

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Gaskammern als «Detail» der Geschichte

Mit seiner Absage entschärft er den FN-Richtungsstreit, der zuletzt in eine erbitterte Fehde zwischen ihm und seiner Tochter Marine eskaliert war. Der FN-Patriarch hatte sich ihren Zorn zugezogen, als er kürzlich zum wiederholten Male die Gaskammern der NS-Konzentrationslager als «Detail» der Geschichte bezeichnet hatte.

Marine Le Pen, die seit ihrem Antritt als FN-Chefin 2011 versucht, die Partei aus der offen rassistischen und antisemitischen Ecke zu holen, gab daraufhin vergangene Woche bekannt, dass sie eine Kandidatur ihres Vaters bei den Regionalwahlen verhindern wolle und kündigte disziplinarische Massnahmen gegen ihn an.

Parteiausschluss möglich

In der Parteiführung wurde sogar ein Parteiausschluss für denkbar gehalten. Marine Le Pen hatte bereits mehrere Mitglieder nach rassistischen Äusserungen aus der Partei ausschliessen lassen.

Der stellvertretende FN-Vorsitzende Florian Philippot sagte im französischen Fernsehen, der Verzicht auf die Regionalwahlkandidatur des Parteipatriarchen sei eine «weise Entscheidung». Der Verbündete von Marine Le Pen hatte in der vergangenen Woche ebenfalls angedeutet, Le Pen senior könnte aus der Partei ausgeschlossen werden.

Enkelin Marion vorgeschlagen

In einer Erklärung zeigte sich Jean-Marie Le Pen am Montag «bestürzt», dass die Meinungsfreiheit in Frankreich immer weiter zurückgedrängt werde, «sogar in unseren Reihen». Bereits vergangene Woche hatte er einen Rückzug aus der Politik abgelehnt und seiner Tochter und Nachfolgerin vorgeworfen, die Partei zu sprengen.

Der FN-Gründer schlug stattdessen am Montag seine Enkelin Marion Maréchal-Le Pen als Kandidatin vor. Er rief seine Anhänger dazu auf, eine Kandidatur der 25-jährigen zu unterstützen. Letztere gilt als politisch radikaler und in gesellschaftlichen Fragen wie der Homo-Ehe als konservativer als ihre Tante. Aus dem Umfeld der Parteispitze verlautete, Marion Maréchal-Le Pen werde sich um eine Kandidatur bei der Regionalwahl bemühen.

Hochburg des FN

Zugleich gab das langjährige FN-Mitglied Bruno Gollnisch bekannt, dass er ebenfalls in der Region Paca kandidieren wolle. Die Gegend in Südfrankreich ist eine der Hochburgen des FN, der bei den Regionalwahlen im Dezember darauf hofft, vier bis fünf Regionen erobern zu können.

Unter Marine Le Pen hat der FN an Zulauf gewonnen. Umfragen legen nahe, dass die 46-Jährige es bei der Präsidentschaftswahl 2017 in die Stichwahl schaffen könnte. Die explosive Beziehung zu ihrem Vater dürfte aber mit darüber entscheiden, wie sich die rechtsextreme Partei in der Wählergunst der Franzosen schlägt.

(sda/gku/se)