Die USA haben sich in der Krise im Jemen auf die Seite ihres Verbündeten Saudi-Arabien geschlagen. Washington befürchtet, dass Al-Kaida und der IS vom Chaos im Jemen profitieren könnten. Der Konflikt droht ausserdem, die Annäherung an den Iran zu durchkreuzen.

Das Weisse Haus zeigte sich besorgt über die «iranischen Aktivitäten» im Jemen, die zu der «Destabilisierung» beitrügen. Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats von US-Präsident Barack Obama verwies dabei auf Berichte über iranische Waffenlieferungen an die schiitischen Huthi-Rebellen, vor denen der jemenitische Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi aus dem Land floh.

Huthis kontollieren weite Landesteile

Die Huthis, zu denen etwa ein Drittel der rund 25 Millionen Einwohner im Jemen gehört, kontrolliert mittlerweile weite Landesteile. An der Seite der Rebellen kämpfen Armeeeinheiten, die dem im Jahr 2012 gestürzten Machthaber Ali Abdullah Saleh weiter die Treue halten.

Der Zerfall des Jemens alarmiert das Königshaus in Riad, das seinen Einfluss auf das Nachbarland schwinden sieht. Seit der Nacht zum Donnerstag fliegt Saudi-Arabien mit einer Reihe verbündeter Staaten aus der Region Luftangriffe auf Huthi-Stellungen.

Keine direkte US-Beteiligung

Die USA sagten der Militärallianz logistische und geheimdienstliche Unterstützung zu, US-Soldaten sollen bereits an den Einsatzplanungen auf einem Stützpunkt in Saudi-Arabien teilnehmen. Die Bereitstellung von Tankflugzeugen und Awacs-Luftaufklärern für die Angriffe gegen Huthi-Rebellen sei «definitiv auf dem Tisch und wird diskutiert», sagte ein Vertreter des Pentagons.

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Pläne für eine direkte US-Beteiligung an den Luftangriffen im Jemen gebe es aber nicht. «Wichtig ist hier unsere Partnerschaft mit den Saudis», erklärte Pentagon-Sprecher Steven Warren die Haltung der USA. Allerdings setzt Washington mit seiner klaren Positionierung an der Seite Saudi-Arabiens die vorsichtige Annäherung im Verhältnis zum Iran aufs Spiel. Der iranische Präsident Hassan Ruhani verurteilte das Eingreifen Saudi-Arabiens als «militärische Aggression».

Die Krise im Jemen entwickelt sich zunehmend zu einem Stellvertreterkonflikt, bei dem die schiitisch geprägte Islamische Republik und die sunnitische Golfmonarchie um die regionale Vorherrschaft ringen.

Denkbar ungünstiger Zeitpunkt

Für die USA kommt die Eskalation der Gewalt im Jemen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Washington will bis Dienstag eine politische Grundsatzvereinbarung über das iranische Atomprogramm unter Dach und Fach haben. Von Seiten der US-Regierung hiess es allerdings, dass die Jemen-Krise «keine Auswirkungen» auf die Atomverhandlungen habe. Die Gespräche im Rahmen der sogenannten 5+1-Gruppe aus den fünf Uno-Vetomächten und Deutschland drehten sich «ausschliesslich um die Atomfrage».

Schwerer wiegen könnten die Folgen für den Kampf gegen Extremisten. Das radikalislamische Terrornetzwerk Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel gilt als derzeit gefährlichster Ableger des Terrornetzwerks. Auch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) versucht, im Jemen Fuss zu fassen. Die Gruppe bekannte sich zu einer Serie von Anschlägen in Sanaa, bei denen vor gut einer Woche 142 Menschen getötet worden waren.

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Sicherheitsvakuum droht 

Bislang war die Regierung im Jemen ein Partner der USA im Kampf gegen Extremisten, seit dem Jahr 2002 flogen die US-Streitkräfte in dem Land wohl mehr als hundert Drohnenangriffe auf mutmassliche radikale Islamisten. Nun droht ein Sicherheitsvakuum am Golf von Aden.

Die US-Botschaft in Sanaa ist geschlossen, alle US-Soldaten haben das Land verlassen. «Unsere Anti-Terror-Bemühungen und die unseres Hauptverbündeten, der Saudis, haben einen bedeutenden Rückschlag erlitten», fasst Geheimdienstexperte Bruce Riedel vom Politikinstitut Brookings die Lage für Washington zusammen.

(sda/dbe)