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Konflikt
Jetzt feuert Libanon eine Rakete auf Israel

Israelische Panzer: an der Grenze zum Gaza-Streifen.   Keystone

Libanon hat erstmals seit 2006 eine Rakete auf Israel abgefeuert. Das Land setzte seine Luftangriffe auf den Gazastreifen fort. Eine Waffenruhe scheint ausser Sicht.

Veröffentlicht am 11.07.2014

Erstmals seit Beginn des jüngsten Gaza-Konflikts ist auch aus Libanon eine Rakete auf Israel abgefeuert worden. Eine Armeesprecherin in Tel Aviv bestätigte am Freitag, ein Geschoss sei am Morgen in der Nähe der Grenzstadt Metullah gefunden worden.

Es gab keine Berichte zu möglichen Opfern. Die Rakete sei auf offenem Feld im Norden Israels eingeschlagen, ohne Schäden anzurichten, sagte ein Militärsprecher der Nachrichtenagentur AFP. Das israelische Radio meldete, es seien zwei Katjuscha-Raketen nördlich der Stadt Kirjat Schmona niedergegangen. 2006 hatten Israel und die libanesische Hisbollah-Miliz einen einmonatigen Krieg geliefert. Hisbollah hatte damals Tausende von Raketen auf Israel abgefeuert. Seitdem kam es nur noch vereinzelt zu Scharmützeln an der Grenze.

Bomben auf den Gazastreifen

Die israelische Luftwaffe hat zugleich die vierte Nacht in Folge Ziele im Gazastreifen bombardiert. Nach Palästinensischen Angaben wurden am Freitagmorgen mindestens drei Palästinenser getötet. US-Präsident Barack Obama warnte vor einer Eskalation und rief beide Seiten zum Schutz von Zivilisten auf.

Augenzeugen aus Gaza-Stadt berichteten am frühen Freitagmorgen von 15 israelischen Luftangriffen über Nacht. Bei einem der drei Todesopfer handle es sich um den 33-Jährigen Anas Abu al-Kass, sagte ein Sprecher der Rettungsdienste. Eine Rakete sei in sein Haus in Gaza-Stadt eingeschlagen. Die israelischen Streitkräfte nahmen dazu zunächst keine Stellung.

Seit Beginn der israelischen Offensive «Schutzrand» am Dienstagmorgen wurden nach palästinensischen Angaben mehr als 80 Menschen aus dem Gazastreifen getötet. Trotzdem gelang es Israel nicht, den Beschuss aus dem Küstengebiet zu stoppen.
Alleine am Donnerstag seien mindestens 140 Raketen eingeschlagen und 44 weitere abgefangen worden, hiess es in einer Militärerklärung. Auch Jerusalem wurde am Donnerstag wieder zum Ziel der Raketen militanter Palästinenser. Die israelische Luftwaffe griff nach Armeeangaben seit Dienstag fast 900 Ziele im Gazastreifen an.

Obama warnt vor Eskalation

US-Präsident Obama warnte in einem Telefonat mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu vor einer weiteren Eskalation. Er rief «alle Seiten« dazu auf, «ihr Möglichstes zu tun, um das Leben von Zivilisten zu schützen und die Ruhe wieder herzustellen«, wie das Weisse Haus am Donnerstagabend mitteilte.

Obama betonte demnach, dass die USA weiterhin als Vermittler bereitstünden, um die Überwindung der Feindseligkeiten zu erleichtern. Zu den Optionen gehöre auch die Rückkehr zu einer Waffenstillstandsvereinbarung von 2012. Damals hatten Ex-US-Aussenministerin Hillary Clinton und Ägypten zwischen beiden Seiten vermittelt. Die israelischen Luftangriffe hatten 2012 acht Tage lang angedauert.

Doch derzeit gibt es keine Anzeichen für ein Schweigen der Waffen. «Der Feind (Israel) hat die Angriffe gestartet und muss aufhören, wir verteidigen uns einfach nur», erklärte Ismail Hanija, bis vor kurzem Hamas-Regierungschef im Gazastreifen, am Freitagmorgen.

«Waffenruhe nicht auf der Tagesordnung»

Auch Netanjahu strebt keine Waffenruhe mit der Hamas an. «Derzeit sprechen wir mit niemandem über eine Waffenruhe, das steht nicht auf der Tagesordnung», sagte der Regierungschef nach Informationen der Tageszeitung «Haaretz» vor dem Aussen- und Verteidigungsausschuss des israelischen Parlaments.

Der israelische Verteidigungsminister Mosche Jaalon ist für einen begrenzten Einsatz von Bodentruppen im Gazastreifen. Israel würde sich auf Ziele konzentrieren, die nicht aus der Luft zerstört werden könnten, schrieb in der Nacht zum Freitag die Zeitung «Times of Israel» online. Konkret wurden die Tunnel genannt, die Hamas in der Nähe der israelischen Grenze gegraben hat.
Auf Antrag der UNO-Botschafter der arabischen Länder sowie der Palästinenser beschäftigte sich am Donnerstag der UNO-Sicherheitsrat in einer Dringlichkeitssitzung mit der eskalierenden Gewalt. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon appellierte an Israelis und Palästinenser, schnellstmöglich eine Waffenruhe zu vereinbaren.

Auch die internationale Gemeinschaft müsse alles in ihrer Macht stehende tun, um zur Entschärfung der Lage im Gazastreifen beizutragen, forderte der UNO-Generalsekretär. Ban sprach von rund 150 zerstörten palästinensischen Wohnhäusern. «Wieder einmal zahlen die Zivilisten den Preis«, beklagte er.

Um eine Behandlung Verletzter zu ermöglichen, öffnete Ägypten inzwischen den Grenzposten Rafah. Die Spitäler im Norden des Sinai seien in Bereitschaft versetzt worden, um Palästinenser aufzunehmen, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Mena.

(sda/me/vst)

 


 

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