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Spitzenposten
Jetzt startet das Rennen um Camerons Nachfolge

Der Nachfolger David Camerons wird die historisch schwere Aufgabe meistern müssen, den Brexit zu verhandeln. Als Favorit galt lange Boris Johnson, doch bringt sich starke Konkurrenz in Stellung.

Veröffentlicht am 29.06.2016

Nach der Rücktrittsankündigung des britischen Premierministers David Cameron bringen sich mögliche Nachfolger in Stellung. Als Favoriten gesetzt gelten Londons Ex-Bürgermeister Boris Johnson, der für den Brexit war, und Innenministerin Theresa May. Berichten zufolge werben beide bereits seit dem Wochenende unter den konservativen Abgeordneten um Unterstützung.

Gesundheitsminister Jeremy Hunt sagte am Dienstag, er ziehe eine Bewerbung «ernsthaft in Betracht». Der nächste Premier soll die Verhandlungen mit der EU über den Austritt Grossbritanniens aufnehmen. Formell kandidieren für die Tory-Parteispitze und damit auch das Amt des Premierministers können die Politiker voraussichtlich ab Mittwoch, wenn der Zeitplan des Auswahlverfahrens festgelegt ist. Daraus wählen die Tory-Abgeordneten zwei Kandidaten aus, zwischen denen bis zum Herbst die Parteibasis wählen darf.

In der Gunst der Tory-Wähler liegt einer YouGov-Umfrage vom Dienstag zufolge May vorn. Sie war gegen den Brexit. Die Frage, ob Grossbritannien in der EU bleiben soll, hat die Konservativen tief gespalten.

George Osborne verzichtet

Finanzminister George Osborne, lange Zeit einer der Favoriten auf die Nachfolge Camerons, will sich nicht bewerben. «Ich bin nicht die Person, die die Einigkeit bieten kann, die meine Partei braucht», schrieb der Politiker in einem Gastbeitrag für die «Times». Er sei aus dem EU-Referendum als «kontroverse Person« hervorgegangen. Osborne hatte für den Verbleib in der EU geworben, die Briten stimmten aber mit 52 Prozent für den Brexit.

Auch in der britischen Opposition brodelt es. Die Labour-Fraktion hat ihrem Parteichef Jeremy Corbyn das Misstrauen ausgesprochen. Sie werfen Corbyn vor, nicht entschieden genug für die EU geworben zu haben und trauen ihm nicht zu, Labour in möglichen Neuwahlen zu einem Sieg zu führen.

Corbyn weigert sich aber, zurückzutreten. In einer schriftlichen Erklärung schrieb er: «Ich wurde von 60 Prozent unserer Parteimitglieder und Unterstützer demokratisch gewählt, um eine neue Politik zu machen. Ich werde sie nicht durch einen Rücktritt verraten.» Er geniesst breite Unterstützung an der Parteibasis, die ihn auch ins Amt gewählt hat. In der Fraktion dagegen hat Corbyn wenig Verbündete.

(sda/me)

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