Deutschsprachige Journalistenverbände pochen auf gute Arbeitsbedingungen und Schutz für Journalisten. Als beste Voraussetzung dafür sehen sie Gesamtarbeitsverträge (GAV), die es in der Deutschschweiz und im Tessin nicht gibt.

Rund 20 Vertreterinnen und Vertreter von Journalistenverbänden und Gewerkschaften aus der Schweiz, Deutschland und Österreich lancierten in Bern den «Berner Appell» für gute Arbeitsbedingungen und eine Stärkung des Service public in den Medien. Das teilten die Mediengewerkschaft Syndicom und der Journalistenverband Impressum mit.

Thema GAV nicht vom Tisch

Medien müssten gestärkt werden in ihrer Rolle als «Wachhunde» der Demokratie. Sichere Anstellungsbedingungen, verankert in Gesamtarbeitsverträgen oder Tarifverträgen, erlaubten es Medienschaffenden, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren und ihre Rolle in der demokratischen Gesellschaft zu erfüllen.

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Die Verbandsvertreter tauschten sich über Arbeitssituationen und Vertragsbedingungen aus. In Deutschschweizer Verlagshäusern gibt es seit mehr als zehn Jahren keinen GAV mehr. Vom Tisch ist das Thema aber nicht: Der Verband Schweizer Medien beauftragte im September eine Arbeitsgruppe, dem Präsidium einen Vertragsrahmen vorzulegen.

Westschweiz fortschrittlicher

Stephanie Vonarburg von Syndicom sagte am Freitag auf Anfrage, dass es noch keinen Termin für Gespräche mit den Verlegern gebe. Die Verbände seien daran, sich vorzubereiten und ihre Erwartungen und Bedürfnisse zu formulieren.

Ob es im laufenden Jahr Verhandlungen gebe, sei noch offen, sagte dazu Andreas Häuptli, Geschäftsführer ad interim beim Verband Schweizer Medien. Ob Verhandlungen aufgenommen würden, würden die Mitglieder entscheiden.

Während die Westschweiz einen GAV für Medienschaffende hat, ist laut Vonarburg auch das Tessin ohne GAV. Gesamtarbeits- oder Tarifverträge gebe es auch in Deutschland und in Österreich.

«Faktische Entrechtungsinitiative»

Thema an der Versammlung war auch die Durchsetzungsinitiative der SVP, über die am 28. Februar abgestimmt wird. Die Verbandsvertreter befürchten, dass Journalistinnen und Journalisten ohne Schweizer Bürgerrecht mit dieser «faktischen Entrechtungsinitiative» durch eine «gewissenhafte Ausübung ihres Berufs» ihre Ausschaffung riskierten.

(sda/awp/chb)