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Politik

Jungwähler: «Ich bin enttäuscht von Obama»

Reisst viele Jugendliche nicht mehr so mit wie vor vier Jahren: Barack Obama. (Bild: Keystone)

Bei der Präsidentschaftswahl 2008 wurde Obama gerade auch von euphorischen Jungwählern ins Weisse Haus getragen. Doch ihre Begeisterung für den mittlerweile ergrauten Präsidenten hat nachgelassen. Auc

Veröffentlicht am 05.11.2012

Colleen Weston kann sich noch gut an jene Novembernacht vor vier Jahren erinnern, in der Barack Obama zum Präsidenten der USA gewählt wurde. Obama war ihr Kandidat, ein Hoffnungsträger gerade für junge Menschen wie sie.

«Jeder im Land war damals bereit für einen Wandel, vor allem die jungen Leute», sagt die 28-Jährige aus Cleveland im Bundesstaat Ohio. In wenigen Tagen wird Weston erneut ihre Stimme abgeben - doch dieses Mal will sie für den Republikaner Mitt Romney stimmen. «Ich bin auf jeden Fall enttäuscht von Obama. Der Wandel, der Aufschwung, das sehe ich einfach nicht», sagt sie.

Weston sitzt im Wohnzimmer ihres Einfamilienhauses in einem ruhigen Vorort von Cleveland. An den Bäumen vor dem Fenster wehren sich nur noch wenige Blätter gegen den Herbstwind. «Mein Blickwinkel hat sich in den vergangenen vier Jahren wirklich geändert», sagt die junge Frau.

Damals seien für sie gesellschaftliche Fragen wichtiger gewesen. «Aber ob die Homo-Ehe legalisiert wird, hat auf mich keine direkten Auswirkungen. Die Wirtschaft dagegen schon.»

Schwindende Begeisterung

Bei der Präsidentschaftswahl 2008 wurde Obama gerade auch von einer Welle euphorisierter Jungwähler ins Weisse Haus getragen. Für den Demokraten stimmten damals landesweit 66 Prozent in dieser Wählergruppe, der republikanische Kandidat John McCain kam dagegen nun auf 32 Prozent.

Die Begeisterung der Jugend für den mittlerweile ergrauten Präsidenten hat nachgelassen. Einer aktuellen Umfrage des Harvard Institute of Politics zufolge liegt Obama in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen vorne, allerdings würden nur noch 55 Prozent für ihn stimmen. Herausforderer Romney kommt unter Jungwählern demnach auf 36 Prozent.
Vor vier Jahren hatte Colleen Weston gerade ihren ersten Job angefangen, im Marketing bei einer Firma in Cleveland, die Heizungen und Klimaanlagen baut.

Dort arbeitet sie immer noch, mittlerweile hat sie aber eine Familie: einen Sohn, zwei Stiefkinder, Anfang kommenden Jahres soll ein weiteres Baby kommen. Die wirtschaftlichen Aussichten sind in den Augen der hochschwangeren Weston so grau wie der Novemberhimmel über Ohio.

Wirtschaftliche Sorgen

«Die Stabilität meines Jobs und dem von meinem Mann machen mir grosse Sorgen», sagt sie. Ihr Mann Scott verlor vor drei Jahren schon einmal seine Arbeit, ging dann zurück zur Universität und startet gerade eine ganz neue Karriere.

Auch bei ihrer Firma seien Leute entlassen worden, Kunden hätten ihre Geschäfte schliessen müssen, berichtet Weston. «Ich habe aus erster Hand die Folgen der Wirtschaftslage für Unternehmen in Ohio gesehen», erzählt sie. «Ich habe das Gefühl, dass Romney einfach der bessere Kandidat ist, die Wirtschaft anzukurbeln.»

Ohio kommt bei dem Urnengang am Dienstag eine entscheidende Rolle zu. Der Bundesstaat im Mittleren Westen ist einer der «Swing States», die mit ihren zwischen Demokraten und Republikanern wechselnden Mehrheiten das Zünglein an der Waage bei der US-Präsidentschaftswahl sind.

Meinungsforscher erwarten einen knappen Wahlausgang in Ohio. Um den Bundesstaat wie vor vier Jahren für sich zu entscheiden, braucht Obama eine starke Unterstützung der Jungwähler.

Meinung geändert

Derek Anders ging noch zur High School, als er 2008 seine Stimme für Obama abgab. «Ich habe an 'Hope und Change' geglaubt. Wir waren in einer schweren Wirtschaftskrise und in zwei Kriege verwickelt», sagt der 23-Jährige aus Barberton im Nordosten Ohios. «Ich hatte Freunde, die waren im Irak und in Afghanistan, und ich wollte, dass sie nach Hause kommen.»

Auch Anders hat seine Meinung mittlerweile geändert. «Unsere Schulden steigen, mehr Leute sind arbeitslos und erhalten Lebensmittelmarken», sagt der Student der Sonderpädagogik. Romney habe sein ganzes Leben lang Unternehmen wieder flott gemacht.

«Ich denke, dass er diesen Aspekt ins Weissen Haus tragen kann», erklärt Anders. Fast entschuldigend fügt er hinzu, dass er vor vier Jahren eben erst 19 Jahre alt gewesen sei. «Ich hatte halt noch nicht verstanden, was das Beste für unsere Wirtschaft ist.»

(tno/sda)

 

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