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Kampf gegen Tieflöhne bei Zara, H&M und Co.

Die spanische Inditex-Gruppe ist mittlerweile der weltgrösste Retail-Modekonzern. (Bild: Bloomberg)

Auf dem Schweizer Arbeitsmarkt sollen gesetzlich verankerte Mindestlöhne gelten, so die Forderung der Gewerkschaften. Besonders dramatisch sei die Situation beim Verkauf von Kleidern und Schuhen.

Veröffentlicht am 06.01.2013

Die Gewerkschaften fordern einen radikalen Wechsel auf dem Schweizer Arbeitsmarkt: hin zu einem gesetzlich verankerten Mindestlohn, der von allen eingehalten werden muss. «Es ist eine traurige Tatsache, dass es in der Schweiz Branchen gibt, die partout keinen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) abschliessen wollen und miese Löhne zahlen», sagt Daniel Lampart, Chefökonom des Gewerkschaftsbunds (SGB) im Interview mit der Zeitung «Der Sonntag».

Besonders dramatisch sei die Situation im Verkauf von Kleidern und Schuhen, wo rund 40'000 Personen arbeiteten. «Die Arbeitgeberverbände wollen keine GAVs. Dann können sie weiterhin Tiefstlöhne bezahlen. Das ist ein sozialpartnerschaftlicher Affront.»

Lampart glaube nicht, dass Stellen im Verkauf gestrichen würden, sollte ein Mindestlohn eingeführt werden. «So dünn kann die Marge nicht sein. Denn deutlich mehr als die Hälfte der Angestellten von Kleider- und Schuhgeschäfte arbeiten für milliardenschwere Familien. Amancio Ortega, der Besitzer der Kleiderkette Zara, ist mit einem Vermögen von knapp 40 Milliarden Dollar der reichste Mann Europas. Der muss nicht darben, wenn er seinen Angestellten einen etwas besseren Lohn zahlt.»

Schützenhilfe erhalten die Gewerkschaften von der SP: «Mit dem Abstimmungskampf zur Abzocker-Initiative werden wir das Terrain vorbereiten für die zwei weiteren Volksbegehren, die anstehen», sagt SP-Präsident Christian Levrat zum «Sonntag». Für die 1:12-Initiative und eben die Mindestlohn-Initiative. Levrats Ziel: «Wir müssen die Lohnschere wieder schliessen.»

Die Offensive von links komme zu einem denkbar heiklen Moment: politisch wie sozialpartnerschaftlich. «Das Klima ist belastet», sagt Arbeitgeber-Direktor Thomas Daum und nennt auch gleich die Gründe: Die Folgen der Finanzmarktkrise, die «masslosen Abzocker» und Manager, die «trotz offensichtlichem Versagen nicht zu ihrer Verantwortung standen und verschiedentlich noch Abgangsentschädigungen in Millionenhöhe» behalten durften. «Das hat die gesellschaftliche und die Kohäsion unter den Sozialpartnern geschwächt», betont Daum im Artikel.

(vst)

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