Das neue Mitglied des SNB-Direktoriums, 
Andréa Maechler, hat in den USA Karriere gemacht. 
Ein Nachteil?
Tobias Straumann*: Nein, sie bringt vom IWF und von der EZB viele internationale Erfahrungen mit. Das kann die SNB gut brauchen. Währungspolitik ist heute nicht losgelöst von internationalen Überlegungen. Ihre Erfahrung ist ein Pluspunkt.

Wieder steht die SNB im Sturm, wieder kommt es zu einem Wechsel im Direktorium. 2009, mitten in der Finanzkrise, trat SNB-Präsident Jean-Pierre Roth zurück.
Es gab in jüngster Zeit tatsächlich einige Wechsel im Direktorium, zuerst der Rücktritt von Jean-Pierre Roth, dann der Abgang von Philipp Hildebrand, nun tritt Jean-Pierre Danthine zurück. Früher waren die Mitglieder in der Regel länger im Amt. Fritz Leutwiler sass 16 Jahre im Direktorium, davon 10 Jahre als Präsident.

Das Direktorium stammte meist aus der SNB, aus der Verwaltung oder aus der Wissenschaft – aber kaum aus der Privatwirtschaft. Ist das ein Nachteil?
Diesen Trend gibt es auch in den USA, auch beim Fed sind oft Wissenschafter an der Spitze. Ben Bernanke und Janet Yellen waren Uni-Professoren. In der Schweiz hat man diesen Schritt mit Philipp Hildebrand gewagt, er hatte in der Finanzwelt Karriere gemacht.

Und musste wegen privater Devisengeschäfte zurücktreten.
Ich habe seine Wahl 2003 begrüsst, aber der Seitenwechsel ist ihm letztlich nicht ganz gelungen. Der Kulturunterschied zwischen Finanzwelt und SNB war offenbar zu gross.

Wie steht die Nationalbank im internationalen Vergleich da?
Die Nationalbank ist seit langem respektiert und hat international eine starke Stellung. Nach dem Ende der fixen Wechselkurse in den 1970er-Jahren spielte sie sogar eine Pionierrolle, als die Zentralbanken zur Geldmengensteuerung übergingen. In den frühen 1990er-Jahren hat die SNB vorübergehend den Anschluss verpasst, aber seit Ende der 1990er-Jahre ist man mit dem neuen geldpolitischen Konzept wieder vorne dabei.

Wie bewerten Sie den SNB-Entscheid vom 15. Januar?
Ich kann die Begründung bis heute nicht ganz nachvollziehen. Jahrelang hat man zu Recht darauf hingewiesen, dass die Untergrenze zur Preisstabilität beitrage. Am 15. Januar war keine Rede mehr davon. Zudem ist es durchaus möglich, dass die SNB weiterhin massiv intervenieren und die Bilanz ausweiten muss, damit der Franken nicht zu stark wird. Auf der anderen Seite muss ich zugeben: Es ist noch zu früh, Bilanz zu ziehen. Es kann sein, dass sich der Kurs ohne grosse Interventionen bei 1,10 einpendelt. Dann hat die SNB alles richtig gemacht.

*Tobias Straumann ist Wirtschaftshistoriker an der Uni Zürich

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