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Kanzlei will Verursacher des Datenlecks bestrafen

Mossack Fonseca: Von dieser Kanzlei stammen die Daten. Keystone

Die Kanzlei Mossack Fonseca will das Datenleck «Panama Papers» nicht hinnehmen: Die panamaischen Anwälte haben Anzeige gegen die unbekannten Datendiebe eingereicht. Im Verdacht stehen Hacker.

Veröffentlicht am 05.04.2016

Die in den «Panama Papers» beschuldigte Kanzlei Mossack Fonseca geht strafrechtlich gegen die Verantwortlichen des Datenlecks vor. «Niemandem gefällt es, bestohlen zu werden», teilte ein Sprecher der Kanzlei der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag auf Anfrage mit.

«Wir werden unser Möglichstes tun, um die Schuldigen zu bestrafen.» Die «Süddeutsche Zeitung» hatte berichtet, das Datenmaterial im Umfang von 2,6 Terabyte sei ihr von einer anonymen Quelle zugespielt worden. «Ich habe die Quelle nie gesehen. Wir haben einen verschlüsselten Chat, in dem wir uns austauschen», sagt der Reporter Bastian Obermayer in einem Dokumentationsvideo zu der Recherche. «Ich frage ihn auch ganz direkt, warum er das macht – und er sagt, weil er findet, dass das aufhören sollte, was die machen.»

Strafantrag eingereicht

Mossack Fonseca geht davon aus, dass der Kanzlei-Server gehackt wurde. «Ein Hackerangriff ist eine Straftat. Ein schweres Verbrechen, das mit Gefängnis bestraft wird», sagte Kanzlei-Teilhaber Ramón Fonseca Mora in einem Interview des Fernsehsenders Telemetro.

Die Kanzlei habe in Panama bereits Strafantrag gestellt, sagte die Chefin der Rechtsabteilung, Sara Montenegro. «Das müssen wir tun, um unsere Kunden zu verteidigen, die auf die eine oder andere Weise betroffen sind.»

Kein Insider-Job

Mossack Fonseca meint zu wissen, wer hinter dem Datendiebstahl steckt. «Wir haben einen Verdacht. Wir können dazu aber nicht mehr sagen, weil wir keine Beweise haben», sagte Fonseca Mora. Auf die Frage, ob er glaube, dass es ein Insider-Job war, antwortete er: «Ich weiss nicht. Ich glaube nicht.»

Von der Berichterstattung über den Fall fühlt sich der Anwalt in ein schlechtes Licht gestellt. Die Geschäfte seien vollkommen legal, und seine Kanzlei halte sich stets an die Regeln. Mossack Fonseca gründe die Kapitalgesellschaften lediglich und verkaufe sie an Zwischenhändler weiter, erklärte er. Ein Kontakt zu den Endkunden bestehe in der Regel nicht. «Bisher war man so lange unschuldig, bis die Schuld bewiesen war», sagte Fonseca Mora. «Heute leben wir in einer Welt, in der man so lange schuldig ist, bis man das Gegenteil beweisen kann. Das gefällt mir überhaupt nicht.»

Regierung widerspricht

Die panamaische Regierung wies unterdessen die Kritik der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) an der Kooperationsbereitschaft des mittelamerikanischen Landes beim Austausch von Finanzdaten zurück. Die Äusserungen von OECD-Generalsekretär Angel Gurría seien respektlos und unverantwortlich gewesen, sagte der Minister im Präsidialamt, Álvaro Alemán.

Panama werde zum alleinigen Sündenbock gemacht, obwohl in den Enthüllungen der «Panama Papers» weitere 21 Länder erwähnt würden. Gurría hatte Panama zuvor schwere Versäumnisse vorgeworfen. «Panama ist der letzte grosse Verweigerer, der es weiterhin erlaubt, dass Offshore-Fonds vor Steuer- und Strafverfolgungsbehörden versteckt werden.» Das Land habe sich nicht an Zusagen gehalten, internationale Standards für Steuer-Transparenz einzuhalten.

Alemán wies auf die jüngsten Reformen hin. Panama habe zuletzt eine Reihe von Gesetzen zur Regulierung des Finanzsektors geändert. Im Februar habe der OECD-Arbeitskreis für Massnahmen zur Geldwäschebekämpfung (Gafi) das Land deshalb von der grauen Liste gestrichen, auf der Staaten mit Defiziten beim internationalen Austausch von Finanz- und Steuerinformationen geführt werden.

(sda/ise/gku)

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