Computerprobleme machen auch vor Parlamentarierinnen und Parlamentariern nicht Halt: Geht ein Ratsmitglied aber zum Informatikdienst, hilft dieser heute nur Microsoft-Nutzern. Wer einen Apple besitzt, muss sich auswärts Hilfe suchen. Daran ändert sich vorerst auch nichts.

Dass auch die offenbar nicht so seltenen Apple-Nutzer vom parlamentseigenen IT-Support profitieren können, forderte Jacqueline Fehr (SP/ZH). Sie räumte zwar ein, dass der Nationalrat üblicherweise wichtigere Vorstösse bespricht. Dennoch: «Für viele würde eine Anpassung das Leben einfacher machen», sagte sie.

Fehr schöpfte aus der eigenen Erfahrung: Als sie mit einem Viren-Problem zum Helpdesk gelangt sei, habe man ihr dort freundlich beschieden, man dürfe ihr nicht helfen, da sie nicht die unterstützte Microsoft-Umgebung verwende. Das Monopol der Microsoft-Produkte geht laut Fehr so weit, dass es nicht möglich ist, mit einem Apple-Gerät die Farbdrucker im Bundeshaus zu nutzen.

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Hilfe für alle Betriebssysteme

Das Büro lehnte die Forderung ab. In einer unüblich langen Stellungnahme machte es jährliche Betriebskosten von deutlich über einer halben Million Franken geltend - bei heute 38 von 246 Ratsmitgliedern, die nicht die zur Verfügung gestellten Microsoft-Produkte verwenden.

Fehr bezweifelte diesen Aufwand. Es handle sich wohl um eine Luxus-Variante. Das Parlament benötige aber «nicht einen Rolls-Royce - ein hübscher kleiner Smart tut es auch.» Sie wolle nur Wege öffnen, dass für alle Betriebssystem eine Unterstützung möglich sei.

Als Fehr die Motion einreichte, unterstützten 115 weitere Ratsmitglieder die Forderung. Bei der Abstimmung überlegten es sich viele Bürgerliche aber anders: Nur noch die Linke sprach sich mehrheitlich für den Vorstoss aus. Er wurde mit 100 zu 60 Stimmen bei 10 Enthaltungen abgelehnt und ist damit vom Tisch.

Vorwärts mit digitalem Parlament

Angenommen hat der Nationalrat dafür eine Motion von Thomas Aeschi (SVP/ZG) zur Beschleunigung der Entwicklung hin zu einem «digitalen Parlament». Das Ziel ist es, dass möglichst rasch alle Unterlagen elektronisch zugänglich gemacht werden.

Das bereits laufende Projekt soll bis zu den Wahlen 2015 umgesetzt werden. Über den Vorstoss muss noch der Ständerat befinden. Das Büro des Nationalrates hatte sich dagegen gestellt.

(sda/chb)