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Entscheidung
Kenias Opposition weckt Zweifel an Wahlausgang

Proteste nach den Wahlen in Kenia: Die Opposition wirft der Regierung Wahlfälschung vor. Keystone

Nach den Wahlen in Kenia werden noch immer Stimmen ausgezählt. Der bisherige Präsident Uhuru Kenyatta liegt aber bereits deutlich vorne. Die Opposition spricht von Wahlbetrug.

Veröffentlicht am 09.08.2017

Der kenianische Präsident Uhuru Kenyatta steuert nach offiziellen Angaben auf seine Wiederwahl zu. Nach Auszählung von 85 Prozent der Stimmen liege er mit 55 Prozent in Führung, teilte die Wahlkommission am Mittwoch mit. Auf Oppositionsführer Raila Odinga entfielen demnach 44 Prozent. Dieser erhob Betrugsvorwürfe und reklamierte den Sieg für sich.

Odinga rief seine Anhänger zur Ruhe auf, sagte aber zugleich: «Ich kontrolliere nicht das Volk.» Sein Stellvertreter sagte, die Opposition könne später zu einer «Aktion» aufrufen, ohne Details zu nennen. Das nährte Befürchtungen, es könne in der führenden Volkswirtschaft Ostafrikas wie bei der Wahl vor zehn Jahren zu schweren Ausschreitungen kommen.

Hackerangriff wird geprüft

Odinga erkennt die Auszählung der Stimmen nicht an und erklärte, Hacker seien in der Nacht in das Computersystem der Wahlkommission eingebrochen. Das habe zu einem «massiven und umfassenden» Wahlbetrug geführt, sagte er auf einer Pressekonferenz in Kisumu. Die Stadt im Westen des Landes ist eine Hochburg des Oppositionspolitikers.

Die Wahlkommission wies die Vorwürfe zurück. Die Auszählung der Stimmen verlaufe ordnungsgemäss. Die Abstimmung sei fair und frei verlaufen, sagte der Vorsitzende des Gremiums. Es werde geprüft, ob es tatsächlich einen Hackerangriff auf das Computersystem gegeben habe. Er sei aber nicht besorgt.

Ausschreitungen vorprogrammiert

Odinga dagegen twitterte, nach seiner Rechnung hätten 8,1 Millionen Wähler für ihn gestimmt und 7,2 Millionen für Kenyatta. Innenminister Fred Matiangi' kündigte daraufhin an, man werde gegen Nutzer sozialer Medien vorgehen, die die nationale Sicherheit gefährdeten. Er rief die Kenianer auf, ihrer Geschäfte nachzugehen, während die Stimmen ausgezählt würden.

Kurz nach einer Rede Odingas vor seinen Anhängern in Kisumu feuerte die Polizei Tränengas in die Menge. «Ohne Raila kein Frieden», riefen rund 100 unbewaffnete Demonstranten. Nach dem Gaseinsatz zerstreute sich die Menge. Schon vor der Abstimmung war befürchtet worden, dass es wie bei der Wahl vor zehn Jahren zu Ausschreitungen kommen könnte. Damals wurden 1200 Menschen getötet.

Beide Kandidaten aus bekannten Familien

Diesmal waren mehr als 150'000 Sicherheitskräfte im Einsatz, um Gewalt zwischen den Bevölkerungsgruppen zu verhindern. Die beiden Kandidaten stammen aus verschiedenen Völkern: Der 55-jährige Kenyatta ist Kikuyu. Er ist Geschäftsmann und Sohn von Jomo Kenyatta, dem ersten Präsidenten des Landes. Die Kikuyu haben drei der vier Präsidenten seit der Unabhängigkeit von Grossbritannien im Jahr 1963 gestellt.

Der 72-jährige Odinga ist ein ehemaliger politischer Häftling und Sohn des ersten Vizepräsidenten Kenias. Er bezeichnet sich selbst als links und stammt aus dem Luo-Volk im Westen. Viele Menschen dort fühlten sich von der Regierung in Nairobi vernachlässigt und von der Macht ausgeschlossen.

(reuters/jfr)

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