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Konflikt
Kiew droht nach Flugzeug-Abschuss mit Vergeltung

Abgeschossenes Flugzeug in Luhansk: Kiew droht mit Vergeltung.  Keystone

Aufständische haben eine Transportmaschine des ukrainischen Militärs abgeschossen. 49 Soldaten sind dabei ums Leben gekommen. Kiew droht den Separatisten mit Rache.

Veröffentlicht am 14.06.2014

Beim Abschuss eines Militärflugzeugs durch prorussische Separatisten sind nach Angaben eines ukrainischen Militärsprechers 49 Soldaten ums Leben gekommen.

Die Separatisten in Lugansk bekannten sich zu dem Abschuss. Es ist der schwerste Schlag gegen die ukrainische Armee seit Beginn ihrer «Anti-Terror-Offensive» gegen Aufständische Mitte April.

Keine Überlebenden

Bei dem «terroristischen Akt» seien alle 49 Insassen ums Leben gekommen, teilte die Staatsanwaltschaft in Kiew mit. Separatisten hatten die Transportmaschine vom Typ Iljuschin IL-76 beim nächtlichen Landemanöver auf den Flughafen von Lugansk im Nordosten der Ukraine mit Raketen angegriffen, wie Armeesprecher Wladislaw Selesnjow am Samstag sagte. Amateurvideos zeigten brennende Trümmer des fast 50 Meter langen Flugzeugs.

Der Generalsekretär des Europarats, Thorbjorn Jagland, verurteilte den Abschuss als «sinnlosen Mord». Der neue ukrainische Präsident Petro Poroschenko drohte den Separatisten mit Vergeltung.

Vorwürfe an Moskau

Der Abschuss sei ein «zynischer terroristischer Akt, der unbedingt bestraft werden wird». Die Täter würden eine «angemessene Antwort» erhalten, sagte Poroschenko, der diesen Sonntag zum Tag der Trauer erklärte.

Nach den Worten des früheren Verteidigungsministers Anatoli Grizenko waren 40 Fallschirmjäger einer Luftlandebrigade aus Dnjepropetrowsk sowie 9 Mann Besatzung an Bord. Das Flugzeug sei in etwa 700 Metern Höhe von Geschossen aus dem Raketenwerfer «Igla» (Nadel) getroffen worden.

Grizenko warf dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vor, die militanten Gruppen in der Ostukraine weiter aufzustacheln. «Dies ist kein Konflikt zwischen Bürgern, sondern ein Krieg Putins gegen die Ukraine», meinte er.

Die unklare Rolle Russlands

In Washington sagte die Sprecherin der US-Aussenministeriums, Marie Harf, es gebe «überzeugende Beweise», dass sich die Separatisten schwere Waffen und andere Ausrüstung aus Russland beschafft haben, darunter Panzer. Letztere seien «irgendwie aus russischen Lagerhäusern» geholt worden.

Berichte, nach denen es sich um gestohlene ukrainische Panzer handele, träfen nicht zu, sagte die Sprecherin in Washington weiter. Auch der ukrainische Präsident Poroschenko hatte sich zuletzt in einem Telefongespräch mit Putin über das angebliche Eindringen russischer Panzer auf ukrainisches Staatsgebiet beschwert. Moskau weist dies zurück.

Eskalation der Gewalt

In der Ukraine gehen Regierungstruppen seit Monaten gegen Aufständische in Lugansk und Umgebung vor, die dort eine nicht anerkannte «Volksrepublik» ausgerufen haben. Erst am Freitag hatten Sicherheitskräfte das Zentrum der Hafenstadt Mariupol im Südosten des Landes unweit der von Russland annektierten Halbinsel Krim zurückerobert.

In Mariupol griffen Aufständische am Samstag eine Kolonne des ukrainichen Grenzschutzes mit Granatwerfern an. Bei dem Beschuss seien drei Soldaten getötet und vier verletzt worden, teilten die Behörden mit.

Kämpfe auch bei Donezk

In der Region der Ostukraine-Metropole Donezk starb bei einem Luftangriff der Sicherheitskräfte mindestens ein Separatist, sechs wurden verletzt. Die Aufständischen hätten das Feuer erwidert und einen Kampfjet vom Typ Suchoi Su-25 abgeschossen, hiess es. Der Pilot habe sich per Schleudersitz retten können.

Die Separatisten wollen die Region von der Ukraine abspalten. Sie lehnen den prowestlichen Kurs der Regierung in Kiew ab und streben einen Beitritt zu Russland an.

Baldige Lösung im Gas-Streit?

Bewegung zeichnete sich derweil im Gas-Streit zwischen Kiew und Moskau ab. Ein Ultimatum Russlands für die Zahlung ukrainischer Schulden läuft am Montag ab. Moskau sagte jedoch nach Angaben aus Kiew «vorläufig» zu, an weiteren Verhandlungen am Wochenende teilzunehmen.

Den zuletzt vom russischen Staatskonzern Gazprom angebotenen Preis für Gaslieferungen lehnt die Regierung in Kiew als zu hoch ab. Wird die Zahlungsfrist am Montag nicht eingehalten, will Moskau das fast bankrotte Nachbarland nur noch gegen Vorauszahlung mit Gas beliefern.

(sda/gku)

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