Bei den Unruhen in Kiew sind nach Angaben der Opposition allein am Donnerstag mehr als 60 Menschen durch Schüsse getötet worden. Das sagte der Leiter der medizinischen Dienste der Opposition, Swjatoslaw Chanenko, der Nachrichtenagentur AFP in Kiew.

«Mehr als 60 Demonstranten wurden getötet, alle durch Kugeln», sagte Chanenko, von der rechtspopulistischen Partei Swoboda (Freiheit). Nach Angaben von Innenminister Vitali Sachartschenko erhalten die Sicherheitskräfte jetzt auch offiziell Schusswaffen für den «Anti-Terror-Einsatz».

Scharfe Munition für die Polizei

Ukrainische Demonstranten haben nach Angaben der Regierung in Kiew 67 Polizisten als Geiseln genommen. Sie würden in der Hauptstadt festgehalten, teilte das Innenministerium am Donnerstag mit. Die Polizei sei ermächtigt, bei einer Befreiungsaktion Waffen einzusetzen. Das Ministerium hatte mitgeteilt, dass die Bereitschaftspolizei mit militärischen Waffen ausgestattet worden sei, um die Oberhand über die Demonstranten zu gewinnen.

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Die Waffen dürften in Übereinstimmung mit dem Gesetz mit scharfer Munition eingesetzt werden, sagte Innenminister Sachartschenko laut Mitteilung. Der Minister forderte die Regierungsgegner auf, ihre Waffen niederzulegen und zu friedlichem Protest zurückzukehren. Die Oppositionsführer müssten sich von «radikalen Handlungen» distanzieren.

Allein am Donnerstag seien drei Mitglieder von Polizei und Innentruppen erschossen und mehr als 50 verletzt worden, hatte das Ministerium zuvor mitgeteilt. Demonstranten und Regierung geben sich gegenseitig die Schuld für die Eskalation der Gewalt.

Diplomatische Bemühungen

Die EU-Aussenminister kamen in Brüssel zusammen, um über die Lage in der Ukraine und mögliche Sanktionen zu beraten. Die Situation sei «vollkommen inakzeptabel und nicht zu verteidigen», sagte der britische Aussenamtschef William Hague.

«Es muss eine internationale Antwort geben. Deswegen werden wir Sanktionen und Massnahmen gegen die Verantwortlichen für die Gewalt beraten.» Die EU müsse handeln, um die Gewalt in der Ukraine zu stoppen.

Mission verlängert

In Kiew selber verlängerten die Aussenminister von Deutschland, Frankreich und Polen - Frank-Walter Steinmeier und seine Kollegen Laurent Fabius und Radoslav Sikorski - ihre Vermittlungsmission. Die EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton sagte, sie stehe mit den drei Ministern in Kiew in Kontakt.

Auch Kremlchef Wladimir Putin schickt auf Bitte des ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch einen Vermittler nach Kiew. Der scheidende Menschenrechtsbeauftragte Wladimir Lukin solle an Gesprächen zwischen Führung und Opposition in der Ex-Sowjetrepublik teilnehmen, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow nach Angaben russischer Agenturen.

(sda/reuters/gku)