Eine «Revolution», verspricht Kim Dotcom bei Wahlkampfpartys seiner Partei Internet Mana. Der verurteilte Betrüger und bekannte Ego-Shooter-Fan ist zweifelsfrei ein ungewöhnlicher Politiker. Seit 2012 ermittelt gar das FBI wegen Verletzung des amerikanischen Copyright-Gesetzes gegen den millionenschweren Internettycoon.

Trotzdem oder gerade deshalb hat der in Deutschland geborene Multimillionär nun die Politik als neues Spielfeld entdeckt. Und Umfragen zeigen, dass seine Internet-Partei bei den Wahlen am 20. September bis zu fünf Sitze gewinnen könnte. Da sich ein knappes Rennen zwischen der regierenden National Party und der Opposition um Labour abzeichnet, könnte Kims Partei gar zum Zünglein an der Waage werden.

Maori und Internetpiraten haben sich gefunden

Selber kandidieren darf der in Deutschland geborene Megaupload-Gründer zwar nicht. Dass er der Strippenzieher hinter Internet Mana ist, weiss aber jeder. Nach Angaben des Newsportals Bloomberg soll Kim Dotcom rund 2,5 Millionen Dollar seines Privatvermögens in den Aufbau der Partei gesteckt haben.

Der seltsame Name der Partei setzt sich zusammen aus Kims Eigengründung «Internet Party» und der Maori-Partei Mana, die sich für die kommenden Wahlen zu einem Zweckbündnis zusammengeschlossen haben. So eigenartig die Mischung aus der neuseeländischen Version der Piratenpartei und einer dezidiert linken Indigenenbewegung auch anmuten mag, die etablierten Parteien sind alarmiert.

Koalitionspartner gesucht

Internet Mana habe das Potenzial junge Wähler anzusprechen, die sonst nicht an die Urne gehen würden, sagt der ehemalige Labour-Chef Mike Williams gegenüber Bloomberg. Damit könnte die ganze Wahl eine neue Wendung nehmen, so der Oppositionspolitiker.

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Laut Umfragen liegen die regierenden Konservativen von John Key zwar weiterhin klar vorne. Eine absolute Mehrheit für eine Partei gab es indes seit 1996 nicht mehr, weshalb auch dieses mal die Kleinparteien als Koalitionspartner den Ausschlag geben könnten.

Was passiert nach den Wahlen?

Labour und die ebenfalls oppositionelle Grüne Partei sind deshalb in einer schwierigen Situation. Die Internet-Mana-Allianz sei total «illegitim», sagt etwa Russel Norman von den Grünen. Kim Dotcom kaufe sich damit den Einzug ins Parlament.

Auch für die ehemalige Mana-Aktivistin Sue Bradford ist klar, dass Philosophie und Prinzipien von Mana unvereinbar sind mit Kim Dotcoms politischen Zielen. Ob sich Labour nach den prognostizierten Sitzgewinnen von Internet Mana tatsächlich mit Kim Dotcom ins Bett legen wird ist noch offen. Vielleicht müssen sie sich schon bald entscheiden, ob sie eine Regierungsmehrheit mit Internet Mana bilden oder weitere vier Jahre im Schattendasein der Opposition verbringen wollen.