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Kim Jong Un: Evakuierung von Botschaften empfohlen

Jungdiktator: Der rund 30-jährige Kim Jong Un lässt sich von Militärs huldigen. (Bild: Keystone)

In einer offenbar unklaren Mischung aus Geburtstagsfeier und Kriegsrhetorik hat Nordkorea heute aufs Meer geschossen. Zudem sollen die ausländischen Botschaften ihr Personal in Sicherheit bringen.

Veröffentlicht am 05.04.2013

Nordkorea, das zuletzt mit einem Angriff auf den Süden und die USA sowie mit einem Atomschlag drohte, hat  mehreren Ländern die Evakuierung ihrer Botschaften in Pjöngjang nahegelegt. Betroffen sind unter anderen Russland, Grossbritannien, Deutschland, aber auch die Schweiz.

In einem Briefing für die ausländischen Vertretungen habe das nordkoreanische Aussenministerium über seine Evakuierungsplanungen informiert, teilte das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) in Bern am Freitag auf Anfrage mit.

Ein Schweizer Vertreter sei auch dabei gewesen, obwohl die Schweiz über keine Botschaft in Pjöngjang verfügt, sondern nur über ein Kooperationsbüro der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA). Es existiere ein Notfallplan, gegenwärtig bestehe aber keine Absicht, das Schweizer Personal zu evakuieren.

Grossbritannien und Russland erklärten, Nordkorea habe vor Gefahren für das Botschaftspersonal beider Länder in Pjöngjang gewarnt. Man habe eine Mitteilung erhalten, in der stehe, dass Nordkorea «im Falle eines Konflikts nach dem 10. April» nicht in der Lage sei, Botschaften und internationale Organisationen zu schützen.

Russlands Aussenminister Sergej Lawrow zeigte sich besorgt; man habe noch nicht entschieden. Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte lediglich, die Sicherheit und Arbeitsmöglichkeit der deutschen Botschaft in Pjöngjang werde laufend überprüft.

Die Botschaften der EU-Staaten in Nordkorea wollen nun möglichst einheitlich auf die von der Regierung nahegelegte Räumung der diplomatischen Vertretungen in Pjöngjang reagieren, wie die Aussenbeauftragte der Europäischen Union, Catherine Ashton, in Brüssel sagte. Zu diesem Zweck ist für diesen Samstag ein Treffen geplant, an dem auch ein Schweizer Vertreter teilnehmen wird.

4000 Kilometer Reichweite

Unterdessen verlegte Nordkorea offenbar eine zweite Mittelstreckenrakete an die Ostküste. Die nordkoreanischen Raketen haben eine Reichweite von bis zu 4000 Kilometern und könnten Südkorea, Japan oder eine US-Militärbasis auf der Insel Guam im Pazifik treffen, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap meldete.

Als Reaktion entsandte die südkoreanische Marine zwei mit speziellem Radar ausgestattete Zerstörer, um einen möglichen Raketenstart aufzuzeichnen. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon - selbst Südkoreaner - forderte das Regime in Pjöngjang zur Mässigung und einem Kurswechsel auf.

Südkorea rechnet nach Angaben eines ranghohen Armeevertreters damit, dass der Norden Raketen als «Überraschung» abfeuert. Dafür spreche, dass sie auf mobile Abschussrampen installiert und dann versteckt worden seien. Unklar sei, ob die Raketen für eine Übung oder einen Test verlegt worden seien, zitierte Yonhap den Militär.

Raketen zum Geburtstag

Beobachter schliessen nicht aus, dass die Raketen anlässlich der Feierlichkeiten zum 101. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung am 15. April abgeschossen werden, dem Grossvater des heutigen Machthabers Kim Jong Un.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte Nordkorea zuvor zu einem Kurswechsel aufgerufen. «Atomwaffen sind kein Spielzeug», betonte er am Donnerstag. Es bestehe die Gefahr, dass der Konflikt ausser Kontrolle gerate.

Eine Entspannung ist auch in dem von Nord- und Südkorea gemeinsam betriebenen Industriepark Kaesong nicht in Sicht. Die Führung in Pjöngjang verweigert seit Mittwoch sowohl südkoreanischen Pendlern als auch Lieferanten die Einreise. Wegen eines Feiertages in Nordkorea erschienen die 53'000 nordkoreanischen Mitarbeiter am Freitag ohnehin nicht zur Arbeit in den 123 Unternehmen.

Kriegszustand zwischen Nord und Süd

Die Lage auf der koreanischen Halbinsel gilt seit dem dritten Atomtest in Nordkorea im Februar als sehr gespannt. Pjöngjang hatte als Reaktion auf die Ausweitung von UNO-Sanktionen und südkoreanisch-amerikanische Militärmanöver den Waffenstillstandsvertrag von 1953 aufgekündigt.

Am Samstag rief Pjöngjang den "Kriegszustand" im Verhältnis zu Südkorea aus. Seit den 1950er Jahren befinden sich die Nachbarn formell weiter im Krieg.

(tke/sda)

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