1. Home
  2. Politik
  3. Kleine Gemeinden profitieren auf Kosten der Städte

Kosten
Kleine Gemeinden profitieren auf Kosten der Städte

Luzern, Schaffhausen und Zürich: Städte erbringen für das Umland immer mehr und teurere Leistungen. (Bild: Keystone)

Städte unterhalten Hallenbäder, Bibliotheken und Theater. Das ist teuer und belastet die Stadtkassen - und das immer stärker. Das Umland profitiert davon.

Veröffentlicht am 02.10.2013

Die Kosten für die sogenannten Zentrumslasten der grösseren Städte sind weiter gestiegen. Laut einer Studie fallen in den grossen Städten und mittleren Agglomerationsgemeinden oft jährlich 1'000 bis 2'000 Franken pro Kopf mehr Kosten an als in den angrenzenden Gemeinden.

Zentrale Orte leiden an der A-Problematik: Sie beherbergen mehr Alte, Arbeitslose, Arme, Auszubildende und Ausländer, und da diese mehr Kosten verursachen, steigt die finanzielle Belastung gegenüber anderen Orten. Das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) liess die Belastung, aber auch die höheren Erträge der Städte auf Basis der Zahlen von 2010 berechnen. Die Studie wurde publiziert.

Im Vergleich zu den durchschnittlichen Kosten der übrigen Gemeinden im Kanton liegt die Mehrbelastung in Zürich mit rund 3'700 Franken pro Kopf am höchsten. Das ist allerdings der Extremfall. In Genf, Lausanne und Bern beläuft sich die Mehrbelastung auf rund 1'600, 1'300 respektive 800 Franken.

Prozentual ausgedrückt ergibt sich für Zürich eine Mehrbelastung von fast 100 Prozent gegenüber den übrigen Gemeinden. Für Genf, Lausanne und Bern erreicht sie 66,41 respektive 34 Prozent. Nicht untersucht wurde Basel, weil dort kein Vergleich mit Umlandgemeinden möglich ist.

Höhere Steuern trotz Mehreinnahmen

Zwar erzielen die Zentren auch höhere Erträge, da sie mehr Unternehmen anziehen und zudem profitieren sie von Ausgleichszahlungen innerhalb des Kantons. Diese rund 50 Prozent höheren Erträge decken jedoch nicht alle zusätzlichen Kosten: Deshalb sind laut Studie die Steuern noch immer 2 bis 4 Prozent höher.

Die Agglomerationsgemeinden - darunter fallen unter anderen Aarau, Biel BE, Luzern, St. Gallen oder Winterthur ZH - haben ebenfalls meist beträchtliche Mehrbelastungen zu tragen. Für die meisten liegen die Pro-Kopf-Belastungen 20 bis 60 Prozent über den übrigen Gemeinden im Kanton. Bei einzelnen (Chur, Wil SG) liegen die Belastungen jedoch unter dem kantonalen Durchschnittswert.

Beim Ertrag ergibt sich das gleiche Bild wie bei den grossen Agglomerationsgemeinden: Die Einnahmen sind höher als im Rest-Kanton, und zwar um rund 29 Prozent. Die Steuerbelastung ist dagegen praktisch auf dem Niveau des Umlands, sogar eher noch darunter.

Steuerbelastung gleicht sich an

Letztmals lagen für die Daten von 2002 Berechnungen der Belastungen und Erträge vor. Da damals aber eine andere Methodik zur Anwendung kam, sind die Resultate nur in der Tendenz vergleichbar.

Demnach stieg die Mehrbelastung der Agglomerationsgemeinden gegenüber dem Umland leicht. In absoluten Zahlen nahm die Belastung jedoch deutlich zu, wobei Agglomerationsgemeinden vor allem für«Soziale Sicherheit» mehr Geld ausgeben müssen als die übrigen Gemeinden.

Bei den Steuern verkleinerte sich der Unterschied zwischen Zentrum und Umland. Bürger in Zentren bezahlen heute im Schnitt 2 bis 3 Prozent mehr als in den Nicht-Zentrumsgemeinden des Kantons. Am grössten ist der Unterschied in kleinen Agglomerationsgemeinden, zu denen etwa Brig/Visp im Wallis, Frauenfeld, Grenchen SO, Rapperswil SG oder Yverdon-les-Bains VD zählen.

Weitere Steuerausfälle befürchtet

Die Studie des Forschungsbüros Ecoplan kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem die Städte vor allem wegen der geplanten Unternehmenssteuerreform III hohe Steuerausfälle befürchten. Der Städteverband schätzt die Einbussen auf 1,5 Milliarden Franken, sollten die Gewinnsteuersätze auf 15 Prozent sinken. Die Städte verlangen daher eine Kompensation, allenfalls durch den Bund.

(sda/awp/tke/muv)

Anzeige