Wenn Babys erstmals geimpft werden, erhalten sie meist ein Kombipräparat. Einige dieser Präparate sind im Moment aber nicht erhältlich. Es gibt zwar Alternativen. Dennoch ist das Bundesamt für Gesundheit besorgt. Ein Pflichtlager soll künftig Engpässen vorbeugen.

Ein Grund für die Knappheit ist, dass immer mehr geimpft wird. Vor allem in armen Ländern. Daniel Koch, Abteilungsleiter beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), spricht im «Tages-Anzeiger» und «Der Bund» von einer «an sich erfreulichen» Entwicklung. Die beiden Zeitungen hatten am Dienstag über das Thema berichtet.

Mehr Impfungen

Dass mehr geimpft wird, zeigen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO: Verglichen mit dem Jahr 2000 haben im letzten Jahr doppelt so viele Länder das Ziel erreicht, mindestens 90 Prozent der Kinder mit den üblichen Impfungen zu behandeln. Dies teilte die WHO letzte Woche mit.

Für diese Routineimpfung bei Kindern wird beispielsweise das Kombipräparat Pentavac des französischen Herstellers Sanofi Pasteur MSD verwendet. Es schützt die Säuglinge gegen Starrkrampf, Keuchhusten, Diphterie, Kinderlähmung und bakterielle Hirnhautentzündung. Der Impfstoff ist in der Schweiz aber bis Ende Jahr nicht verfügbar. Dies schreibt das BAG im aktuellsten Bulletin.

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GSK-Produkt als Alternative

Eine Alternative wäre eine der verschiedenen Infanrix-Impfungen des britischen Pharmakonzerns GlaxoSmithKline. Doch auch hier gibt es bei mehreren Varianten Engpässe. Die einzige Alternative bestehe momentan im Gebrauch von Infanrix Hexa, ebenfalls vom britischen Hersteller, schreibt das BAG.

Dass es bei solch wichtigen Impfstoffen Engpässe gibt, ist gemäss Koch vom BAG eine neue Entwicklung: «Früher wurden gelegentlich Spezialimpfstoffe knapp, etwa gegen Tollwut. Neu ist, dass nun auf einmal auch Basisimpfstoffe betroffen sind», sagt er. Die Lage werde sich ausserdem nicht bald entspannen: «Es ist zu befürchten, dass die Hersteller Mühe haben werden, die Nachfrage zu decken», sagt Koch. Man müsse in den kommenden Jahren mit weiteren Engpässen rechnen.

Pflichtlager im Aufbau

Nicht nur die steigende Nachfrage ist ein Grund. Auch strengere Qualitätskontrollen sorgen für Ausfälle. Das BAG schreibt dazu: «Eine kleine Abweichung der Kontrollwerte von den Vorgaben reicht manchmal aus, dass ganze Chargen von mehreren zehn- oder hunderttausend Dosen abgelehnt werden und dann auf dem Markt fehlen.» Bis neue Impfstoffe produziert und geprüft seien, dauere es dann lange.

Um Impfstoffknappheiten zu verhindern, will das BAG daher vorbeugen: Die nötigen Massnahmen zur Einrichtung eines Pflichtlagers seien ergriffen worden, heisst es. Bis zur Umsetzung dürfte es aber noch zwei oder drei Jahre dauern.

(sda/ise)