Die Heli-Piloten bei Air-Glaciers sind zutiefst frustriert. Grund sind zwei Einsätze der Rega vom vergangenen Wochenende in deren Haupteinsatzgebiet - dies obschon Air-Glaciers mit ihren eigenen Helikoptern viel schneller am Unfallort gewesen wäre. Das sagte gemäss 20min.ch Notarzt Bruno Dutter an einer Air-Glaciers-Medienkonferenz am Donnerstagmorgen.

Bei einem von diesen Einsätzen verstarb das Opfer, da die Retter möglicherweise zu spät eingetroffen sind. Beim andern Fall flog die Rega anscheinend «direkt über unsere Basis zum Einsatzort. Wir konnten nur zuschauen, obwohl wir schon lange bereitstanden. Das ist eine Provokation», sagte Air-Glaciers-Pilot Peter Balmer.

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Permanent benachteiligt

Air-Glaciers fühlt sich grundsätzlich von der Rega benachteiligt. Diese biete bei Notfällen nur eigene Heils auf, egal wie weit weg sie auch sind. Offenbar gebe es eine interne Weisung dazu.

«Das darf nicht sein. Ob ein Heli nach 5 oder 15 Minuten am Unglücksort eintrifft, kann über Leben und Tod entscheiden», sagt Durrer gemäss 20min.ch. Zudem missachte die Rega den Willen des Berner Kantonsparlaments, der sich 2012 für eine bessere Vernetzung der Luftrettung im Kanton ausgesprochen habe.

Um die Vergabe der Einsätze besser zu koordinieren, habe Air-Glaciers mit der Rega das Gespräch gesucht und einen Runden Tisch angeregt. Eine Antwort habe sie bis anhin nicht erhalten.

Neutrale Alarmierungsstelle gefordert

Dafür schaltete sich die Politik in der Person des Berner SVP-Grossrats Christoph Berger ein. Er verlangt, dass die Notrufzentrale künftig nicht mehr automatisch die Rega aufbietet. «Es braucht eine neutrale Alarmierungsstelle, wie dies etwa im Wallis der Fall ist.»

Jetzt hat die Rega offenbar eingelenkt. Um den Zoff in der Luft zu beenden, hat sie am Donnerstagmittag in einer Meldung bekanntgegeben, dass sie ab dem 19. August darauf verzichte, in Notfällen im Kanton Bern Helikopter der Air-Glaciers aufzubieten. Diese betreibt Stützpunkte in Lauterbrunnen und Saanen. Stattdessen solle die Sanitätsnotrufzentrale des Kantons Bern entscheiden, welche Helikopter zum Einsatz kommen.

Rega spricht von «Polemik»

Gleichzeitig weist die Rega die Vorwürfe der Air-Glaciers als «Polemik» zurück. Der Einsatz von Helikopter richte sich nicht nur nach der Geografie, sondern berücksichtige auch andere Faktoren.

Schlagzeilen gemacht hat der Kampf um Aufträge im Luftrettungsdienst bisher im Kanton Aargau: Dort machen sich seit diesem Frühling die Rettungsflugwacht und die Alpine Air Amublance (AAA), an welcher der TCS beteiligt ist, Rettungsflüge streitig.

(rcv/sda)