«Seine Majestät König Juan Carlos hat mit eben seine Entscheidung mitgeteilt, abzudanken.» Mit diesen Worten verkündete Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy am Montagmorgen die überraschende Nachricht. Prinz Felipe werde die Thronfolge antreten, so der Regierungschef. Er hoffe, das die Gerichte den Weg schnell frei machen für die Stabsübergabe.

In einer Ansprache an das Volk erklärte König Juan Carlos seine Motive. Der Monarch zeigte sich im Sender rtve dankbar für die Entwicklung Spaniens in den letzten Jahrzehnten, die er als eine Periode von «Fortschritt und Wachstum» bezeichnete. Es sei stets sein höchstes Ziel gewesen, sich die Freiheit der Spanier einzsetzen. Er verzichte auf die spanische Krone, um «Fehler zu überwinden und den Weg zu einer besseren Zukunft freizumachen», sagte der 76-Jährige. Sein Sohn und Nachfolger Felipe stehe dabei für die notwendige «Stabilität».

Premier Rajoy berief für Dienstag eine ausserordentliche Kabinettssitzung ein. Obwohl die Popularität des Königs im Volk stark gesunken war, traf die Entscheidung des Königs die Spanier völlig überraschend. Der Monarch hatte eine Abdankung bislang strikt ausgeschlossen.

Für Abdankung erst Gesetz verabschieden

Damit der König abdanken kann, muss ausserdem ein eigenes Gesetz verabschiedet werden. Eine Abdankung des Monarchen ist im spanischen Rechtssystem bislang nicht vorgesehen. Rajoy sagte, er hoffe, dass das Parlament schon nach «sehr kurzer Zeit» der Ernennung von König Felipe zustimmen könne. «Ich bin überzeugt, dass dies der beste Zeitpunkt für einen Wandel ist».

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Rajoy lobte den 76-jährigen Monarchen als «unermüdlichen Verteidiger unserer Interessen». Er habe persönliche Gründe angegeben. Juan Carlos hat seit langem gesundheitliche Problem.

Spaniens König hatte den Thron am 22. November 1975 bestiegen. Zwei Tage zuvor war Diktator Francisco Franco verstorben. Er hatte 1969 per Gesetz vorgeschrieben, dass Juan Carlos künftig der Regierung vorstehen solle. 

Skandale belasteten Juan Carlos' Image

Zunächst haftete ihm der Ruf an, ein Zögling des Diktators Francisco Franco zu sein, der ihn zu seinem Nachfolger als Staatschef erkoren hatte. Der Monarch überraschte alle Skeptiker jedoch damit, dass er die Diktatur nicht fortführte, sondern auf Machtbefugnisse verzichtete und den Anstoss zu demokratischen Reformen gab.

Daraufhin genoss Er über Jahrzehnte ein hohes Ansehen in der Bevölkerung. Wegen einer Reihe von Korruptionsskandalen und anderer Fehltritte ist das Ansehen des Königshaus zuletzt aber gesunken. In einer Umfrage sprachen sich zwei Drittel der Spanier dafür aus, dass Juan Carlos als König abdanken sollte.

(se/reuters/sda/awp/me)