Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos hat sein Kabinett umgebildet. Damit will er günstige Bedingungen schaffen, um das Friedensabkommen mit den Rebellen der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) vorzubereiten.

Seine neue Regierungsmannschaft sei ein «Kabinett des Friedens, der Nachkonfliktphase», sagte Santos in einer Rede. Es bestehe daher aus Politikern «aus allen Regionen und allen politischen Richtungen».

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Justizminister ist zentral

Wichtig für die Friedensverhandlungen mit der Farc-Guerilla ist vor allem der Justizminister. Für den Posten ernannte Santos Jorge Eduardo Londoño von den Grünen, der als politisch neutral gilt. Ausserdem wurden unter anderem die Arbeits-, Industrie- und Wohnungsbauminister ausgetauscht.

Die kolumbianische Regierung und die Farc verhandeln seit dreieinhalb Jahren über ein weitreichendes Friedensabkommen, das den Rebellen die Teilhabe am politischen Leben ermöglichen soll. In einigen Verhandlungskapiteln wurden bereits Einigungen erzielt. Die ursprünglich für März anvisierte Verabschiedung eines Friedensabkommens wurde aber kürzlich auf Ende des Jahres verschoben.

Dramatisch gesunkene Beliebtheitswerte

Santos war 2014 für vier Jahre wiedergewählt worden. Mittlerweile sind seine Beliebtheitswerte allerdings dramatisch gesunken. Anfang April gingen in 20 Städten tausende Menschen gegen Santos und die Friedensverhandlungen mit der Farc auf die Strasse. Zu den Kundgebungen hatte die Partei von Santos' Vorgänger Alvaro Uribe aufgerufen, der sich seit langem gegen die Friedensverhandlungen stellt.

Die Farc-Rebellen hatten den bewaffneten Kampf gegen Grossgrundbesitzer und die Regierung im Jahr 1964 aufgenommen. Im mehr als ein halbes Jahrhundert andauernden Konflikt, an dem sich auch andere linke Rebellengruppen, ultrarechte Paramilitärs und Drogenhändler beteiligten, wurden nach amtlichen Angaben mehr als 260'000 Menschen getötet, 45'000 weitere werden vermisst. 6,6 Millionen Menschen flohen vor der Gewalt.

(sda/chb/ama)