Sie hätte ein Glanzpunkt werden sollen für das Königsregime in Saudi-Arabien, das so beflissen an seinem Imagewandel schraubt. Und ein Treffen mit viel Potenzial für Top-Manager und Firmenchefs, die auf weitere satte Investments aus Saudi-Arabien hofften. Doch heute Morgen funktionierte nicht einmal die Webseite.

Die Rede ist selbstverständlich von der «Future Investment Iniative» (FII), der heiss diskutierten Investorenkonferenz in Riad, die nach dem Mord an Journalisten Jamal Khashoggi zum Politikum wurde. Seit heute hat sie ihre Tore geöffnet, durch die nun erheblich weniger Teilnehmer strömen werden als ursprünglich geplant.

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Jamie Dimon und Blackrock-Chef Larry Flink zogen sich früh zurück

Bis zuletzt wuchs die Liste der Top-Manager, die absagten. Den Anfang machten am 12. Oktober Silicon-Valley-Grössen wie Uber-Chef Dara Khosrowshahi und Virgin-Chef Richard Branson. Er legte zugleich Verhandlungen über ein Milliardeninvestment aus Saudi-Arabien auf Eis. Heute trat Branson als Chairman von Hyperloop One zurück, in die Saudi-Arabien investiert ist. Es ist unklar, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Investment und der Entscheidung Bransons gibt.

In den Tagen danach zogen sich zahlreiche prominente Namen zurück: JP-Morgan-Chef Jamie Dimon, Weltbank-Chef Jim Kong Kim, HSBC-Chef John Flint. Blackrock-Spitzenmann Larry Flink cancelte zwar seine Teilnahme an der Konferenz, betonte aber, er werde weiterhin mit Saudi-Arabien geschäften.

Warum Credit-Suisse-Chef Thiam zögerte

Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam zögerte zunächst und versuchte, die Organisatoren der FII zu bewegen, die Konferenz zu verschieben. Denn für die Credit Suisse ist der Event doppelt heikel: Sie ist Sponsorin des Events. Als die Verschiebung erfolglos blieb, entschied Thiam am 16. Oktober, nicht nach Riad zu fahren. Der Grossbanken-Chef befindet sich in einer schwierigen Lage: Einerseits verlangt der Anstand, die Teilnahme abzusagen. Andererseits darf er den wichtigen Grossinvestor nicht verprellen, denn Thiam wartet auf Nachricht, ob die Credit Suisse eine volle Banklizenz für Saudi-Arabien erhält. Diese halten bisher nur eine Handvoll ausgewählte Banken, darunter Deutsche Bank, BNP Paribas, Bank of Tokyo, State Bank of India und J.P. Morgan Chase.

Noch länger Zeit liess sich ABB-Chef Ulrich Spiesshofer, der am 19. Oktober absagte. Siemens-Chef Joe Kaeser sprang sogar erst am Montag, am Tag vor dem Start der Konferenz, ab. IWF-Chefin Christine Lagarde, die zunächst noch auf der Konferenz «ihre Meinung» hatte sagen wollen, bleibt ebenfalls fern, ebenso US-Finanzminister Steven Mnuchin.

Die Liste der Teilnehmer ist damit überschaubar geworden. Ursprünglich erwartet worden waren mehrere Tausend Teilnehmer und 200 Speaker. Jetzt werden auf der Konferenz die Gäste aus Russland, China und den benachbarten arabischen Staaten wohl weitgehend unter sich sein. Ein arabisches Medium nennt einzig Elektronikriese Samsung als internationalen Speaker. Ein Bloomberg-Reporter erwähnt auch noch den Chef der Schweizer Trafigura als Gast.

Damit ist der Glanzpunkt zum Randspektakel verkommen. Was in den Diskussionen zum Königshaus und zu den üppigen saudischen Investments aber oft vergessen geht: Das Land selbst ist längst nicht so reicht, wie es der Prunk der Ölmagnate glauben macht. Das zeigt ein Blick auf wichtige Daten.

Sieben Fakten zu Wirtschaft und Gesellschaft von Saudi-Arabien:

1) Das BIP pro Kopf ist auf dem Niveau von Portugal

Nicht alle Saudi sind stinkreich. Das Bruttoinlandprodukt pro Kopf ist sogar deutlich tiefer als in der Schweiz. Im Jahr 2018 beträgt das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Saudi-Arabien geschätzt rund 22'650 US-Dollar pro Jahr – laut IMF.  Das Bruttoinlandsprodukt bezeichnet den Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen, die im betreffenden Jahr innerhalb der Landesgrenzen hergestellt wurden und dem Endverbrauch dienen. Es gilt als wichtiger Indikator für die Wirtschaftskraft eines Landes.

Saudi Arabien
Quelle: Statista

2) Die Staatschulden steigen rasant an – im Vergleich zum BIP

Die Staatsverschuldung stieg laut Internationalem Währungsfonds ( IWF) zuletzt an – in Relation zum Bruttoinlandprodukt. Die Angaben beziehen sich auf den Gesamtstaat und beinhalten die Schulden des Zentralstaats, der Länder, der Gemeinden und Kommunen sowie der Sozialversicherungen.

Saudi Arabien
Quelle: Statista

3) Die Zahl der Personen ohne Arbeit verharrt auf hohem Niveau

Auch im Ölstaat gibt es Arbeitslose – und gar nicht mal allzu wenige. Im Jahr 2016 lag die Arbeitslosenquote laut IWF in Saudi-Arabien geschätzt bei rund 5,6 Prozent.

Saudi Arabien
Quelle: Statista

4) Die Ölkrise führt zu einer Exportschwäche

Das Land war auch schon stärker im Export. Im Jahr 2017 wurden Güter im Wert von rund 218,2 Milliarden US-Dollar aus Saudi-Arabien exportiert, schätzt das WTO. Zum Vergleich: Die Schweiz exportierte 2017 Waren im Wert von 295 Millionen Franken.

Saudi Arabien
Quelle: Statista

5) Kein einfaches Pflaster für Firmen

Diese Statistik zeigt die Platzierungen von Saudi-Arabien im weltweiten Doing Business Ranking der Weltbank von 190 Volkswirtschaften, aufgeschlüsselt nach 10 Indikatoren und der Attraktivität insgesamt für die Jahre 2016 bis 2018. In Sachen Unternehmensgründung schneidet das Land schlecht ab. Auch das Geld fliesst nicht in Strömen. Das Gesamtbild: Rang 92.

Saudi Arabien
Quelle: Statista

6 ) Hoch konzentrierte Vermögenswerte

Die Elite schwimmt derweil im Geld. Im Jahr 2017 ist Prinz Alwaleed Bin Talal Alsaud mit einem Vermögen von rund 18,7 Milliarden US-Dollar der reichste saudi-arabische Staatsbürger.

Saudi Arabien
Quelle: Statista

7) Journalisten werden im Königreich verfolgt

In Sachen Pressefreihei gehört das Land zu den Schurkenstaaten dieser Erde – um es im Jargon von George Bush junior zu sagen. Nordkorea belegt mit einem Indexwert von 88,87 Punkten Platz 1 der Länder mit der weltweit niedrigsten Pressefreiheit im Jahr 2018. Saudi-Arabien rangiert auf Platz 12.

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Quelle: Statista