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Korea: «Aufmerksamkeit aus dem falschen Grund»

Südkoreanischer Blick auf eine Karte zur Bahnverbindung in den Norden: Das Regime dort übt sich in Drohgebärden. (Bild: Keystone

Die Welt blickt beunruhigt nach Korea. Auch Schweizer Unternehmer machen sich Sorgen. Claudio Mazzucchelli, Ansprechpartner für Schweizer Unternehmen in Südkorea, erläutert die Lage.

Von Jeffrey Vögeli
am 05.04.2013

Täglich gehen neue Meldungen zu Kriegsvorbereitungen des Regimes in Nordkorea um die Welt - und die USA und Südkorea halten kräftig dagegen. Die südkoreanische Bevölkerung scheint das alles aber wenig zu beeindrucken. «Die nordkoreanische Führung droht Südkorea seit 60 Jahren regelmässig mit Krieg – in Südkorea herrscht deswegen kein Ausnahmezustand», sagt Claudio Mazzucchelli, Leiter des Swiss Business Hub in Südkorea.

Zum Schlimmsten – einem Krieg, womöglich unter Einsatz von Atomwaffen – werde es nach Einschätzung der Koreaner nicht kommen, so Mazzucchelli weiter. Sorgen machen sich im Gegensatz dazu Investoren aus dem Westen, auch aus der Schweiz. 

«Die Medien im Westen geben dem Konflikt viel mehr Gewicht als in Korea selbst. Das führt bei manchen Investoren zu Sorgen», so der Exportförderer von der Osec. «Wir hatten mehrere Anfragen von Schweizer Unternehmen, ob es im Moment in Südkorea sicher sei.»

Schweizer Weltkonzerne und KMU

Für Mazzucchellis Mission sind die Schlagzeilen zu Nordkorea Gift: Als Leiter des Swiss Business Hub versucht der Asien-Kenner aus der Schweizer Botschaft heraus, Unternehmen bei ihrer Expansion nach Südkorea zu unterstützen. Auch sonst nicht immer eine einfache Mission: «Korea wird von vielen Schweizer Unternehmen unterschätzt oder gar übersehen.» Dabei seien die 50 Millionen Südkoreaner eine vergleichsweise kaufkräftig und es gebe eine starke Nachfrage nach Schweizer Produkten. 

Etwa 100 Schweizer Unternehmen sind laut Claudio Mazzucchelli dort auf die eine oder andere Art präsent. Neben Weltkonzernen wie Nestlé, ABB, Novartis oder Roche sind dies vor allem Unternehmen der Luxusbranche oder Hersteller von Präzisionsmaschinen, oft KMU. Auch in der Schweizer Medizinaltechnik-Produkte verkaufen sich gut.

Mazzucchelli sieht in Korea viele Chancen für Schweizer Unternehmen: «Schweizer Produkte sind im Hightech-Land Korea vor allem deshalb sehr gefragt, weil die dortigen Unternehmen höchste Qualität liefern wollen.» Trotzdem gehe das Land zwischen den Riesen Japan und China einfach vergessen – und «wenn das Land Aufmerksamkeit bekommt, dann aus dem falschen Grund, so wie zurzeit». Dabei könnte Korea nicht zuletzt auch als Sprungbrett nach China genutzt werden.

Claudio Mazzucchelli, Leiter des Swiss Business Hub in Südkorea.

 

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