Das Bundesstrafgericht hat drei frühere Kaderangestellte des VBS wegen ungetreuer Amtsführung beziehungsweise Gehilfenschaft verurteilt.

Bei den Verurteilten handelt es sich um den ehemaligen Chef der Armeelogistikbasis Hinwil (ZH) Oberst A. sowie um zwei weitere frühere Kaderangestellte der Basis B. und C., wie die "NZZ am Sonntag" berichtet.

Die drei Männer hatten zusammen mit ihren Frauen im August 2008 eine Firma in Rapperswil SG gegründet. Dafür wurde bei einer bestehenden Autogarage einfach ein Raum angemietet. An diese "Werkstatt" vergab die Logistikbasis Hinwil bis im Mai 2009 zahlreiche Aufträge zur Reparatur von Militärfahrzeugen und zahlte dafür rund 450 000 Franken.

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Chef war mehrfach-beschäftigt

Gesellschafter und Geschäftsführer war ein Ostschweizer Rechtsanwalt. Dass die GmbH den drei VBS-Mitarbeitern gehörte, war nicht ersichtlich. Über diese «Werkstatt» wurden mehrfach Mechaniker ans VBS vermittelt und dafür fette Provisionen kassiert. Besonders aktiv war Oberst A., der neben seinem Job in Hinwil seit 2001 in einer Beratungsfirma tätig ist und in Tschechien durch die Firma Umbratec im Storengeschäft mitmischt.

Der Geschäftsführer der «Werkstatt» war der Rechtsanwalt. Er konnte am Vorgehen seiner Firma nichts Unrechtmässiges erkennen. Entscheidend sei, dass die Leistungen seiner Leute tatsächlich erbracht und korrekt verrechnet worden seien. Die Bundesanwaltschaft (BA) sah es nun als erwiesen an, dass es sich bei der Firma um einen "Scheinbetrieb" und eine "Briefkastenfirma" gehandelt habe.

Illegal Reparaturaufträge zugeschanzt

Mit ihr hätten die drei ehemaligen Kadermitarbeiter verbergen wollen, dass sie sich selbst Reparaturaufträge zuschanzten und sich so unrechtmässig bereicherten. Deren Verteidiger erklärten an der Verhandlung vor Bundesstrafgericht allerdings, ihre Mandanten seien unschuldig und verlangten Freisprüche. Das Gericht folgte den Anträgen der BA und verurteilte Mitte Juni zwei der der drei Männer zu bedingten Gefängnisstrafen von 22 Monaten und unbedingten Geldstrafen. Der dritte erhielt eine bedingte Geldstrafe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, es kann vor Bundesgericht angefochten werden.

(chb)