Als Bundesrätin Doris Leuthard am Dienstag mit ihrem argentinischen Amtskollegen Mauricio Macri in Buenos Aires dinierte, setzte Bundesanwalt Sebastian Casanello seine Unterschrift unter ein Dokument, das den grössten Korruptionsfall des Landes ausweitet. Bisher war bekannt, dass das Umfeld des Präsidentenpaares Kirchner, das Argentinien zwischen 2003 und 2015 regierte, gegen 65 Millionen Dollar veruntreut und ausser Landes gebracht haben soll.

Während Leuthard mit Macri über eine vertiefte Zusammenarbeit zwischen der Schweiz in Sachen Wirtschaft und Justiz berieten, schrieb Staatsanwalt Casanello in seinem Memo, das handelszeitung.ch vorliegt, dass nun noch mehr Konten bekannt wurden und weitere Millionenwerte zutage gefördert wurden.

In einem Jahr weitere 20 Millionen gewaschen

Es ist das erste zählbare Resultat, seit die Schweiz einem Rechtshilfegesuch aus Buenos Aires Folge leistete. Der Inhalt eines verschlüsselten USB-Sticks zeigt, dass zu den zehn bisher bekannten Konti auf Schweizer Banken noch drei weitere hinzukamen: Eines bei der PKB aus Lugano und zwei bei Sarasin. Eröffnet wurden sie auf die Panama-Firmen Marketing & Logistic Management  sowie SGI Argentina.

Gesamthaft sollen alleine über diese drei Konti in einem Jahr weitere 20 Millionen US-Dollar gewaschen worden sein, berichtete der argentinischen Journalist Juan Gasparini unter Bezug auf eine anonyme Quelle.

Lange Vorgeschichte           

In der Vergangenheit bemühten sich die argentinischen Staatsanwälte um die Rückführung von Millionen Dollar mutmasslich versteckter Gelder in der Schweiz – ohne Erfolg. Danach wurden die argentinischen Justizbehörden im Jahr 2016 wieder beim Bundesamt für Justiz (BJ) vorstellig. Im neuen Rechtshilfegesuch, das handelszeitung.ch vorliegt, geht es nicht nur direkt um Schweizer Konten von Kirchner-Intimus Lázaro Báez sondern auch um Konti seiner Kinder sowie des Italo-Argentiniers Néstor Ramos aus dem Tessin und seiner Schweizer Firma Helvetic Services Group.

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Auch in Liechtenstein Konten

Im Rechtshilfegsuch der argentinischen Staatsanwälte geht es um Firmen in Panama, Belize, Uruguay, den Vereinigten Staaten und Argentinien. Die wesentlichen Finanzströme aber fanden alle in der Schweiz in Genf und Lugano sowie Liechtenstein bei der LGT Bank in Vaduz statt. Allein in einem Fall beziffern die argentinischen Staatsanwälte die über die Schweiz hinterzogenen Gelder auf über 32 Millionen US-Dollar. Handelszeitung.ch hatte darüber in der Vergangenheit mehrfach berichtet, denn die Aktivitäten der Helvetic Services Group reichten bis in die Schweizer Fussballszene.

Zwischen der Helvetic Services Group und dem Ex-Fifa-Ethikkommissions-Mitglied Juan Damiani konnten die Ermittler ebenso Geldströme nachzeichnen. Damiani ist seit den «Panama-Papers»-Enthüllungen einschlägig bekannt – und trat aus der Fifa zurück. Nun ermitteln die Behörden auch gegen Rechtsanwalt Damiani, ist dem handelszeitung.ch vorliegenden Dokument zu entnehmen.