Im Zuge der vor gut zwei Jahren gestarteten Antikorruptionskampagne in China sind Veruntreuungen im Umfang von umgerechnet fast einer Milliarde Franken aufgeflogen. Das geht aus Gerichtsunterlagen hervor, die die Asia Society mit Sitz in New York auswertete und am Freitag veröffentlichte.

Demnach wurde gegen 1500 Parteikader und Politiker ermittelt. Nur 231 von ihnen wurden für schuldig befunden. Dem Bericht der Asia Society zufolge wurden im Zuge der Kampagne bislang 6,3 Milliarden Yuan (gut 960 Millionen Franken) aufgespürt, die aus öffentlichen Kassen veruntreut worden waren.

Zweifel an der Wirksamkeit

In einem Fall kaufte ein Parteikader für 200'000 Yuan (30'585 Franken) Jadeschmuck. In einem weiteren Fall versuchte ein Politiker, 30 Millionen Yuan (4,58 Millionen Franken) veruntreuter Staatsgelder in einem Gartenbaubetrieb seiner Geliebten zu waschen.

Präsident Xi Jinping hatte bei seinem Amtsantritt Korruption in Partei und Verwaltung den Kampf angesagt und öffentlichkeitswirksam eine Kampagne gestartet. An der Wirksamkeit von Xis Feldzug gibt es Zweifel. So vermuten Kritiker, sie diene häufig dazu, unliebsame politische Konkurrenten aus dem Weg zu räumen.

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Ungleiche Behandlung

Für hochgezogene Augenbrauen sorgt auch, dass in den östlichen Provinzen Fujian und Zhejiang, Hochburgen des Staatschefs, weit weniger Übeltäter überführt wurden. Dort hätten die Korruptionsbekämpfer offenbar besondere Gnade walten lassen, heisst es in dem Bericht.

(sda/gku/mbü)