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Argentinien
Korruptionsskandal: Suiza-Connection weitet sich aus

Der grösste Korruptionsskandal Argentiniens kommt direkt aus dem Umfeld der Präsidentenfamilie. Die Spuren führen nicht nur nach Genf sondern auch in weitere Kantone. Nun tauchen neue Firmen auf.

Von Christian Bütikofer
am 03.06.2013

Seit Monaten stehen Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner, ihre Familie und engste Mitarbeiter im Zentrum eines enormen Korruptionskandals des südamerikanischen Landes. Dabei geht es unter anderem um Geldwäsche, Scheinkäufe von Immobilien, illegalen Waffenhandel, Schmiergeld - sowie versteckte Konten und Scheinfirmen in der Schweiz.

Erst Lombard Odier, dann Safra

Zu den Profiteuren des Systems Kirchner soll Lázaro Báez gehört haben, ein bekannter Bau- und Öl-Unternehmer und ehemaliger Mitarbeiter der Banco de Santa Cruz.

Bekannt ist, dass das Umfeld des Unternehmers über die Panama-Firma Teegan Inc. bei Lombard Odier 1,5 Millionen Dollar parkierte. Die Gelder seien infolge einer Kontoauflösung zu einer weiteren Schweizer Bank geleitet worden, zu Safra. Jeannette Balmer von der Bundesanwaltschaft bestätigte handelszeitung.ch eine Strafuntersuchung eröffnet zu haben: «Zurzeit laufen die nötigen Abklärungen, um sich hier in der Schweiz ein Gesamtbild über die Sache zu verschaffen.»

Geldschmuggel im Präsidentenjet

Recherchen verschiedener Journalisten in Argentinien legen nahe, dass der verstorbene Präsident Néstor Kirchner und seine Ehefrau, die aktuelle Präsidentin Fernández de Kirchner, eine «unglaubliche Struktur» mit Korruptionsgeldern unterhalten haben, die wie eine geölte Maschine funktionierte.

So habe Kirchner Geldsäcke aus dem Ausland mit der Präsidentenmaschine «Tango 01» in seine Heimatprovinz Santa Cruz schmuggeln lassen.

Engste Mitarbeiter Néstor Kirchners, darunter Unternehmer Báez, fungierten dabei als Strohmänner des Ex-Präsidenten. Mit über 50 Firmen sollen mindestens 55 Millionen Euro aus Bestechungsgeldern oder Profiten aus überhöhten Rechnungen dem Land entzogen worden sein. 

Cristina Fernández de Kirchner habe über alles Bescheid gewusst, erzählte Zeugin Miriam Quiroga kürzlich in einem TV-Interview. Sie war während Jahren Néstor Kirchners Geliebte und Privatsekretärin und war damit über alle Internas des Umfeldes der Kirchners informiert.

Weiteres Rechtshilfegesuch gestellt

Nun haben zwei Oppositionspolitiker und die Untersuchungsrichterin Gabriela Lanz an die Schweiz ein weiteres Rechtshilfegesuch gestellt, berichtet die Zeitung «El Clarín». Diese Nachricht bestätigte die Bundesanwaltschaft handelszeitung.ch nicht.

Die zwei Politiker befürchten, dass die Schweizer Behörden nicht rechtzeitig auf die Entwicklungen in Argentinien reagieren. Erschwerend kommt hinzu, dass bereits einmal Lázaro Báez belastende Dokumente vernichtet wurden.

Die argentinischen Machthaber versuchen alles, um die Ermittlungen zu behindern. Wenige Tage, nachdem bekannt wurde, dass eine der zentralen Firmen für die schummrigen Deals die Aldyne Ltd auf den Seychellen-Inseln war, veränderte die Regierung Christina Kirchners die Liste der Steuerparadiese, die Aufnahme im Anti-Geldwäschereigesetz finden. Plötzlich verschwanden die Seychellen von dieser Offshore-Liste.

Spuren nach Lugano und Zug

Unternehmer Lázaro Báez steht neben Geldwäscherei auch im Verdacht, in Argentinien einem Konkurrenten die Finanzgesellschaft Southern Globe Investments (SGI) abgepresst zu haben. Die SGI war eine klassische Geldwaschanlage, die Offshore-Vehikel in Uruguay und der Schweiz benutzte. Kunden konnten direkt mit dem Auto vorfahren und die Gelder ohne auszusteigen deponieren. Danach eröffneten die Geldwäscher Konti mit jeweils einem Betrag von 1,5 Millionen Dollar, um keinen Verdacht zu erregen.

Die Finanzgesellschaft wurde später von Báez' mit der Schweizer Helvetic Services Group, in welcher der Schweizer Treuhänder Claudio Giovanni Fontana als Präsident amtiert, in einer unfreundlichen Übernahme «gekauft». Das Umfeld der Helvetic Services Group kontrolliert nicht nur in Argentinien Unternehmen sondern auch in Grossbritannien, Spanien und Neuseeland.

Die Liste der Firmen, welche die Argentinier in der Schweiz untersucht haben wollen, ist lang. Mit dabei sind Exeter House LLC, Cambridge House LLC, Westley House LLC, Ground LLC, M.P.I. Mayward Properties International LLC,  T.H.I. - Tower House International LLC, Venta S.R.L., Fondazione Federico Zichy Thyssen, Biodynamics SA, Grafeno Tech SA und die Vansomatic Suisse SA.

Praktisch alle diese Firmen, die zum Teil bereits gelöscht sind, hatten ihr Domizil an der Via Cantonale 6 - dem Domizil der Helvetic Services Group - oder an der Via San Gottardo 10 in Lugano.

Immer wieder trifft man dabei auf den Italo-Argentinier Néstor Marcelo Ramos, der auch in Zug tätig ist, unter anderem in der EN-Suisse SA, die sich wie die Swisser AG auf «Steuerberatung» spezialisiert hat. Die Swisser ist auch im Aktienhandel tätig. Keines der beiden Unternehmen untersteht einer Selbstregulierungs-Organisation.

Bis zum Publikationsdatum reagierten weder Ramos noch Fontana auf Anfragen von handelszeitung.ch.

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