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Gewalt
Krawalle rund um EZB-Eröffnung in Frankfurt

Verletzte Polizisten und Demonstranten, Autos in Flammen, brennende Barrikaden: Zu Beginn der Blockupy-Proteste gegen die EU-Politik und die EZB-Eröffnung gibt es in Frankfurt heftige Ausschreitungen.

Veröffentlicht am 18.03.2015

Mit massiven Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei hat der Blockupy-Protesttag gegen die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt begonnen.

Bei den heftigen Zusammenstössen rund um die Eröffnung des neuen EZB-Gebäudes in der deutschen Bankenmetropole wurden nach Angaben der Polizei mindestens 88 Beamte verletzt. Aktivisten der kapitalismuskritischen Blockupy-Bewegung berichteten von zahlreichen Verletzten auch in ihren Reihen.

Tränengas und Schlagstöcke

Die Polizei setzte Wasserwerfer, Tränengas und Schlagstöcke ein. Demonstranten warfen Pflastersteine und Böller gegen Wasserwerfer. Mehrere Menschen wurden festgenommen. Die Polizei setzte rund 350 Aktivisten in der Innenstadt fest. Sie sollen Straftaten begangen und randaliert haben.

«Die Atmosphäre ist aggressiv», sagte Polizeisprecherin Claudia Rogalski am Morgen. Im Frankfurter Ostend, wo die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Sitz hat, gab es kaum eine Strassenkreuzung, an der nicht Mülltonnen, Autoreifen oder Fahrzeuge brannten.

Polizei verhindert Stürmung der EZB

Demonstranten versuchten, das weiträumig abgesperrte Gelände der EZB zu stürmen, wurden aber von der Polizei gestoppt. Rauchschwaden zogen über das Mainufer, in der Luft lag der beissende Geruch von Tränengas.

Ein Sprecher des Blockupy-Bündnisses berichtete, beim Einsatz von Wasserwerfern, Tränengas und Schlagstöcken durch die Polizei seien viele Demonstranten verletzt worden. Rund um das EZB-Gelände waren Teams der Rettungssanitäter im Dauereinsatz.

Die Polizei war massiv gegen die Protestierenden vorgegangen, nachdem im Umkreis des mit Polizeiabsperrungen und Stacheldraht aufwendig abgesicherten EZB-Geländes mehrere Brände gelegt worden waren. Aus der Menge der Demonstranten wurden Steine und Böller gegen Wasserwerfer geworfen.

Mehrere Polizeiautos in Brand

Die Demonstranten seien in Gruppen unterwegs und bewegten sich rund um das weiträumig abgeriegelte EZB-Gelände, sagte Polizeisprecherin Rogalski. Sie hätten auch Feuerwehrwagen und Strassenbahnen mit Steinen attackiert. Die Feuerwehr sei am Löschen gehindert worden. Nach Angaben der Polizei brannten am Morgen mehr als ein halbes Dutzend Polizeiwagen.

Der Strassenbahnverkehr in Frankfurt und eine U-Bahnlinie wurden eingestellt. Der S-Bahnverkehr war zunächst nicht betroffen.

EZB-Neubau feierlich eröffnet

Um 11.00 Uhr eröffnete EZB-Präsident Mario Draghi EZB-Neubau feierlich in kleinem Rahmen mit gut hundert geladenen Gästen. In seiner Eröffnungsrede ginge er auch auf die Demonstranten und die vielen unzufriedenen Menschen im Euroraum ein, die in den vergangenen Krisenjahren Einkommen und Wohlstand verloren hätten.

Als eine Institution der Europäischen Union, die eine zentrale Rolle in der Krise gespielt hat, sei die EZB in den Fokus der Frustrierten geraten, sagte Draghi. «Möglicherweise ist dieser Vorwurf nicht fair. Denn unser Handeln zielt genau darauf ab, die wirtschaftlichen Schocks abzufedern.»

Mindestens 10'000 Demonstranten erwartet

Die Polizei rechnete im Tagesverlauf mit mindestens 10'000 Demonstranten. Für den Nachmittag sind mehrere Demonstrationszüge geplant.

Vor dem EZB-Gelände hatte eine Mahnwache von Kapitalismus-Gegnern am Morgen zunächst ruhig begonnen. «Wir haben mit Gewalt gerechnet, wir haben ausreichend Kräfte im Einsatz», sagte die Polizeisprecherin. «Dass es so schnell kommt - ich hätte auch gewünscht, dass es anders gekommen wäre.»

Ein dänischer Aktivist sagte: «Ich bin enttäuscht darüber, wie das läuft.» Ein weiterer äusserte bereits am Morgen seine Enttäuschung über die Krawalle: «Kaum hat unser friedlicher Protest begonnen, ist auch schon alles kaputt.» Das kapitalismuskritische Bündnis Blockupy hatte zuvor angekündigt, friedlich vor dem EZB-Bau zu demonstrieren.

(sda/tno/chb)

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