Die Theaterperformance «Schweiz entköppeln» des Aktionskünstlers Philipp Ruch hat weit herum die Gemüter erregt und für kritische Reaktionen gesorgt. Nun verteidigt der Kopf des verantwortlichen Zentrums für politische Schönheit seine Pläne. Was die Besucher im Zürcher Theater am Neumarkt am Freitagabend erwartet, verrät er nicht.

«Das ist ein Happening», sagt Ruch in einem am Freitag im «Tages-Anzeiger» publizierten Interview. «Es ist daher auch falsch, bereits vorab eine Meinung zu unserer Arbeit zu haben.» Die Pläne des Aktionskünstlers warfen in diesen Tagen vor allem in politischen Kreisen hohe Wellen. Kritik gab es von rechts bis links.

Voodoo-Zauber in Küsnacht

Das Zentrum für politische Schönheit kündigte an, am Freitagabend mit einem Voodoo-Priester nach Küsnacht zu fahren, um dort SVP-Nationalrat und «Weltwoche»-Herausgeber Roger Köppel «von den bösen Geistern zu befreien». Zudem wurde die Bevölkerung aufgerufen, den Politiker auf einer eigens dafür eingerichteten Website zu verfluchen.

«Ich halte Roger Köppel für eine Bedrohung der öffentlichen Meinung, an die man sich schon viel zu stark gewöhnt hat», sagt Ruch. Er kritisiert die Linke in der Schweiz, «die Köppel ignorieren möchte». Das sei falsch, denn der SVP-Politiker habe bei seiner Wahl in den Nationalrat das beste Ergebnis in der Geschichte der Partei erreicht.

Eine «therapeutische Aktion»

«Es ist Zeit, ihn ernst zu nehmen», sagt Ruch und bezeichnet Köppel als «zutiefst traumatisierten Menschen». Er sei vom Dämon des Nazi-Hetzers Julius Streicher besessen, der ihn zwinge, Woche für Woche Zeitungscover zu entwickeln, mit denen gegen Menschen gehetzt werde, die nicht in der Schweiz geboren worden seien.

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«In diesen Sinne wirken wir mit unserer Aktion therapeutisch», verteidigt Ruch diese. Kunst könne heilen. Was genau unter dem Titel «Roger Köppel – eine Abschiebung» am Freitagabend um 20 Uhr im Theater am Neumarkt geplant ist, verrät der Aktionskünstler nicht. Ob es überhaupt eine Prozession nach Küsnacht gibt, ist unklar.

«Nicht unser Wunschthema»

Auch Julia Kamperdick, Leiterin Kommunikation beim Theater, weiss nicht, was sie erwartet. «Ob die Aktion auf der Bühne bleibt oder nach draussen geht, ist auch für uns offen», sagte sie gegenüber der sda. Die Produktion sei eine von 40 Veranstaltungen, die im Rahmen des Festivals «Krieg und Frieden» auf die Bühne gebracht würden.

Die Macher, unter der Leitung von Philipp Ruch, hätten dem Theater am Neumarkt diese Performance zum Thema geliefert, sagte auch Co-Theaterdirektor Ralf Fiedler am Freitag gegenüber Radio SRF. «Das war nicht unser Wunschthema.» Er glaube aber, dass die Aktion etwas zur Sprache bringe, «das uns alle beschäftigt».

(sda/ise/ama)