Das Kunstmuseum Bern nimmt das ebenso illustre wie problembehaftete Erbe des verstorbenen deutschen Kunstsammlers Cornelius Gurlitt an. Das bestätigte der Stiftungsratspräsident des Museums, Christoph Schäublin, am Montag in Berlin.

 Es hatte bereits Berichte darüber gegeben, dass die Entscheidung positiv ausfallen könnte. Bisher hatte das Museum aber jede Stellungnahme verweigert. Die Entscheidung war darum eine schwierige, weil sich unter den von Gurlitt gesammelten Werken wahrscheinlich Raubkunst aus der Zeit des Nationalsozialismus befindet.

Nach Angaben von Schäublin hat sich das Museum auf eine weitreichende Vereinbarung mit Bayern und dem Bund verständigt. Demnach werden die Bilder, bei denen der Status ungeklärt ist, zunächst in Deutschland bleiben. Die für den Fall Gurlitt gegründete Taskforce soll ihre Herkunft weiter klären.

Adolf Hitlers Kunsthändler

Von grosser Wichtigkeit für das Kunstmuseum Bern sei die Grundmechanik der Vereinbarung, sagte Schäublin vor den Medien: «Raubkunst oder Werke, die der Raubkunst verdächtigt werden, bleiben in Deutschland.» Gleichzeitig beteilige sich Bern aktiv und in enger Zusammenarbeit mit der Taskforce an der Forschung zu den früheren Besitzverhältnissen.

Ziel sei es, bei sämtlichen Werken die Herkunft zu klären und damit alle Raubkunst restituieren zu können. Der Stiftungsrat sei überzeugt, in einer «von Vertrauen geprägten Zusammenarbeit mit Berlin und München» das Bestmögliche erreicht zu haben.

Der im Mai gestorbene Gurlitt, der Sohn von Adolf Hitlers Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, hatte das Berner Museum als Alleinerben eingesetzt. Seine Sammlung umfasst mehr als 1500 Bilder, darunter wertvolle Werke etwa von Matisse, Picasso, Renoir und Monet. Eine Cousine ficht das Testament an.

«Entartete Kunst» rechtlich nicht problematisch

Von den Bildern der Gurlitt-Sammlung werden die meisten von der deutschen Taskforce untersucht. Dabei wird unterschieden zwischen Raubkunst – also Bildern, die Privatpersonen abgenommen wurden – und entarteter Kunst.

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In die letztere Kategorie fallen jene Bilder, die dem NS-Regime nicht genehm waren und aus Museen entfernt wurden. Die Nazis bezeichneten ihnen nicht genehme Kunstformen als entartet.

Lob für den Mut des Kunstmuseums Bern

Anders als bei Raubkunst ist der Besitz von entarteter Kunst rechtlich nicht problematisch. Die Deutschen haben sich damals quasi selbst beraubt und die Bilder aus ihren Museen entfernt. Zahlreiche Museen in aller Welt besitzen solche Bilder, auch das Berner Kunstmuseum.

Der bernische Erziehungs- und Kulturdirektor Bernhard Pulver lobte in einer schriftlichen Stellungnahme die «sorgfältige Abwägung und den Mut des Kunstmuseums Bern». Der Entscheid sei kulturpolitisch richtig.

(sda/me/ama)