Die türkische Polizei ist am Sonntag in mehreren Städten gegen Demonstrationen zu den kurdischen Neujahrsfeiern vorgegangen. Der türkische Staat stufte die Kundgebunngen als illegal ein.

Kurdische Aktivisten, denen die Polizei den Zugang zu Newroz-Feiern verwehrte, errichteten Barrikaden und warfen Steine auf die Beamten. Diese schossen mit Tränengasgranaten und Wasserwerfern und trieben so auch eine Gruppe von Abgeordneten der Kurden-Partei BDP auseinander.

BDP-Parlamentsabgeordnete berichteten später auf Twitter, ein Lokalpolitiker sei dabei von einem Tränengas-Geschoss tödlich am Kopf getroffen worden. Nach Behördenangaben wurden sieben Menschen verletzt, unter ihnen ein oder zwei Polizisten. Ausserdem gab es demnach mehr als 100 Festnahmen.

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Zu Zusammenstössen kam es auch in der südöstlichen Stadt Diyarbakir. In der mehrheitlich von Kurden bewohnten Stadt versuchte die Polizei, mit Tränengas und Wasserwerfern Gruppen von ins Zentrum strömenden Menschen aufzuhalten. Allerdings waren die Polizisten den rund 40'000 Menschen nicht gewachsen, die sich zum Newroz-Fest mit Feuern, Tanz und Musik versammelten.

In anderen Stadtteilen hielten die Zusammenstösse an. Demonstranten setzten ein Dutzend Fahrzeuge in Brand, und zwei Männer wurden wegen Transports eines Sturmgewehrs in ihrem Auto festgenommen, wie aus Sicherheitskreisen verlautete. Anadolu meldete einen Verletzten durch Steinwürfe, Brandsätze gegen die Polizei und zahlreiche Festnahmen.

Öffentliche Versammlung nur für den 21. März

Sowohl die legale BDP als auch die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK hatten zu dem Protesten aufgerufen. Sie fordern mehr Autonomie für den überwiegend kurdischen Südwesten der Türkei. Die Regierung hat den Kurden zwar mehr individuelle kulturelle Rechte zugestanden, lehnt eine politische Regelung für die gesamte Region aber ab. Die Kurden stellen rund 20 Prozent der Bevölkerung des Landes. Das kurdische Neujahr beginnt am 21. März.

Innenminister Idris Naim Sahin erklärte, öffentliche Versammlungen zu den Neujahrsfeiern könnten nur für den 21. März beantragt werden. In der Türkei werden die Sicherheitsvorkehrungen zu den Feiern jedes Jahr verschärft, um Sympathiekundgebungen für die als Terrororganisation eingestufte PKK und ihren inhaftierten Anführer Abdullah Öcalan zu unterbinden.

(chb/vst/sda)