Christine Lagarde weht nach ihren Äusserungen in der Presse zu Griechenland ein eisiger Wind ins Gesicht. Sie habe «die Griechen beleidigt», sagte etwa der Vorsitzende der Sozialisten, Evangelos Venizelos, laut einem Fernsehbericht am Samstagabend. Lagarde hatte die Griechen zuvor in einem Interview aufgefordert, ihrer Steuerpflicht nachzukommen.

«Ich fordere sie auf, zu überprüfen und zu überdenken, was sie sagen wollte», verlangte Venizelos von Lagarde. Der Chef der griechischen Linksradikalen, Alexis Tsipras, erklärte, seine Landsleute aus der Mittelschicht zahlten bereits «unerträgliche» Steuern.

«Das Letzte, was wir brauchen, ist ihr Mitgefühl», liess er Lagarde wissen. Bezüglich Steuerbetrügern solle sie sich an Sozialisten und Konservative wenden, deren bisherige Regierung «das grosse Geld» verschont habe.

Zu Steuerehrlichkeit aufgefordert

Lagarde hatte die Bürger im hoch verschuldeten Griechenland in der britischen Tageszeitung «The Guardian» zur Steuerehrlichkeit aufgefordert, um das Land aus der Krise zu führen. Am späten Samstag erklärte Lagarde den Griechen dann zwar ihr Mitgefühl angesichts der einschneidenden Sparmassnahmen.

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Zugleich verwies sie aber auf die Notwendigkeit einer gerechten Lastenverteilung in der Krise. Eine Sprecherin der französischen Regierung nannte die Äusserungen «eher schlicht».

Die griechische Wirtschaft befindet sich das fünfte Jahr in Folge in der Rezession. Im Gegenzug für Milliardenkredite der Europäischen Union und des IWF hatte sich die Anfang Mai abgewählte griechische Regierung aus Sozialisten und Konservativen zu einem drastischen Sparprogramm verpflichtet.

Nach der Wahl, bei der sparkursfeindliche Parteien grossen Zuspruch erfuhren, kam keine neue Regierung zustande. Deshalb soll am 17. Juni erneut gewählt werden.

Tausende Reaktionen auf Facebook

Der Streit über die Steuermoral in Griechenland nach Äusserungen der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, hat auch das Internetnetzwerk Facebook mit voller Wucht erfasst.

Auf der Seite der Französin waren bis Sonntag mehr als 10'000 Kommentare zu ihrer Forderung nach mehr Steuerehrlichkeit in dem Land zu lesen. Normalerweise zieht ein Eintrag Lagardes in dem Netzwerk einige hundert Kommentare nach sich.

Lagarde hatte die Bürger im hoch verschuldeten Griechenland am Samstag in der britischen Tageszeitung «The Guardian» zur Steuerehrlichkeit aufgefordert, um das Land aus der Krise zu führen. Später erklärte sie den Griechen dann zwar bei Facebook ihr Mitgefühl angesichts der einschneidenden Sparmassnahmen.

Zugleich verwies sie aber auf die Notwendigkeit einer gerechten Lastenverteilung in der Krise und rief vor allem reiche Griechen zur Zahlung ihrer Steuern auf.

Nach massiver Kritik aus den linken griechischen Parteien sparten auch die Facebook-Nutzer nicht mit deutlichen Worten. «Sie sollten das den Angehörigen der 3000 Griechen sagen, die Selbstmord begangen haben, und den Millionen arbeitslosen Griechen», schrieb etwa ein Nutzer sarkastisch.

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(chb/sda)