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Kundgebung
Libanesen kämpfen gegen Abfallberge und Korruption

Panzer in Beirut: Gegen die Müllkrise ist eine massive Protestbewegung entstanden.   Keystone

Die Politiker im Libanon gelten oft als unfähig und korrupt. Seit sich die Abfälle in den Strassen türmen, ist die Bevölkerung nicht mehr bereit, die Misswirtschaft hinzunehmen.

Veröffentlicht am 30.08.2015

Die Wut über die Müllkrise im Libanon hat eine massive Protestbewegung gegen die als korrupt und unfähig empfundene politische Führung entfacht: Zehntausende Menschen forderten am Samstagabend im Zentrum Beiruts den Rücktritt des Umweltministers sowie Neuwahlen.

Es war laut Organisatoren die bislang grösste Demonstration der Zivilgesellschaft überhaupt. Die Demonstranten setzten der Regierung ein Ultimatum. «Wir geben der Regierung 72 Stunden Zeit», sagte einer der Wortführer der Bewegung. «Wenn unsere Forderungen bis Dienstag nicht erfüllt werden, gibt es eine Eskalation.»

Neuwahlen von Präsident und Parlament gefordert

Neben der Entlassung von Umweltminister Mohammed Matschnuk verlangen die Demonstranten, dass die Abfallentsorgung von der Zentralverwaltung auf die Kommunen übertragen wird, dass die Verantwortlichen für Gewalt bei vorangegangenen Kundgebungen zur Rechenschaft gezogen werden, allen voran Innenminister Nahad Matschunk, sowie Neuwahlen von Präsident und Parlament.

Seit dem Auslaufen der Verträge zur Müllentsorgung Mitte Juli türmen sich in den libanesischen Städten die Abfälle. Unter dem Motto «Ihr stinkt» richten sich die anschwellenden Proteste inzwischen generell gegen Korruption und Misswirtschaft in der Verwaltung und gegen die politische Blockade, die seit einem Jahr die Wahl eines Präsidenten verhindert.

«Bye, bye ihr Korrupten»

Der Platz der Märtyrer im Zentrum Beiruts war am Samstagabend schwarz von Menschen. «Bye, bye ihr Korrupten», skandierte die Menge. Am Rande der Massenkundgebung zündete eine Gruppe Vermummter Müll an und warf Steine auf Sicherheitskräfte. Die Organisatoren der friedlichen Demonstration distanzierten sich von der Gewalt.

(sda/gku)

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