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Konflikt
Libanon wird in Syrien-Krieg hineingezogen

Libanon: Die Armee geht gegen radikale Islamisten vor.  Keystone

Radikale Kämpfer einer Islamistengruppe überschreiten die Grenze von Syrien zum Libanon. Nun rüstet auch Libanon auf und liefert sich erste Gefechte mit den Rebellen auf ihrem Territorium.

Veröffentlicht am 04.08.2014

Der Krieg in Syrien greift zunehmend auf den Nachbarstaat Libanon über. Bei Kämpfen zwischen der libanesischen Armee und militanten Islamisten im Grenzort Arsal seien 14 Soldaten getötet und 86 verwundet worden, teilte das Militär am Montag mit. 22 Angehörige der Armee würden vermisst. Das Militär nahm Gebiete um Arsal den dritten Tag in Folge unter Beschuss, um Kämpfer der Islamistengruppen Nusra-Front und Islamischer Staat (IS) aus dem Libanon zu vertreiben. IS kontrolliert weite Teile Syriens und des Irak. Syrische Rebellen hatten am Samstag eine Polizeiwache in Arsal gestürmt, nachdem libanesische Sicherheitskräfte einen ihrer Anführer festgenommen hatten.

Es werde keine politische Lösung im Konflikt mit den Islamisten geben, sagte der libanesische Ministerpräsident Tammam Salam, ein Sunnit. «Die einzige Lösung ist der Abzug der Radikalen aus Arsal und der Gegend.» Salam warf den Islamisten vor, ihr Reich auf den Libanon ausdehnen zu wollen. Dies werde das Land jedoch nicht zulassen.

Mehr Waffen und Soldaten werden mobilisiert

Er habe Frankreich gebeten, seine Waffenlieferungen an den Libanon zu beschleunigen. Saudi-Arabien bezahlt die Rüstungsgüter. Auch der einflussreichste sunnitische Politiker im Libanon, der frühere Ministerpräsident Saad al-Hariri, forderte, Arsal müsse von den Radikalen befreit werden. Der Staat werde ihren Plänen nicht tatenlos zuschauen, sagte er der Zeitung «Al-Hajat».

Vorrückende Soldaten hätten in Arsal die Leichen von 50 militanten Islamisten gefunden, hiess es in libanesischen Sicherheitskreisen. Aus den Hügeln um die Stadt stieg dicker schwarzer Rauch auf. Eine Kolonne von Militärfahrzeugen fuhr nach Arsal, auf den Dächern Soldaten mit Sturmgewehren und Panzerfäusten. Die Armee erklärte, die Truppen hätten eine von den Islamisten eroberte Schule wieder unter ihre Kontrolle gebracht.

Der Graben zwischen Sunniten und Schiiten wird tiefer

Mit dem Überfall auf die Polizeiwache schwappte die Gewalt in Syrien erstmals in grösserem Ausmass auf den Libanon über, der sich noch immer von seinem eigenen Bürgerkrieg zwischen 1975 und 1990 erholt. In und um Arsal haben schätzungsweise mehr als 100.000 Syrer Zuflucht gefunden. Ihre Flüchtlingslager wurden nach Angaben syrischer Menschenrechtler durch die Kämpfe um Arsal schwer beschädigt. 17 Zivilisten seien getötet worden, sagte ein syrischer Arzt am Sonntag.

Arsal wird hauptsächlich von Sunniten bewohnt. Die Stadt auf der libanesischen Seite der Grenze liegt zwischen Gebieten, die von den syrischen Regierungstruppen kontrolliert werden, und libanesischen Regionen, in denen hauptsächlich Schiiten mit Sympathien für die Islamisten-Organisation Hisbollah leben. Der Krieg in Syrien vertieft immer mehr die Kluft zwischen den Schiiten im Libanon, die die hinter der Regierung des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad stehen, und den Sunniten, von denen die meisten den Aufstand gegen Assad unterstützen.

(reuters/lur)

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