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Verhandlungen
Libyen will keinen Flüchtlingsdeal à la Türkei

Flüchtlinge vor der libyschen Küste: Abkommen in weiter Ferne. Keystone

Die libysche Regierung lehnt EU-Flüchtlingslager nach dem Vorbild der Türkei auf ihrem Staatsgebiet ab. Ein derartiges Projekt sei sehr weit von der Realität vor Ort entfernt, so der Aussenminister.

Veröffentlicht am 06.10.2016

Libyen lehnt Vorschläge einiger EU-Länder ab, auf seinem Staatsgebiet Flüchtlingscamps zur Eindämmung der Einwanderung nach Europa einzurichten. Damit weigere sich die EU, ihre Verantwortung zu übernehmen und wälze sie «auf unsere Schultern» ab, sagte der Aussenminister der libyschen Übergangsregierung, Taher Siala.

Ein derartiges Projekt sei ausserdem «sehr weit von der Realität vor Ort entfernt», sagte er während eines Treffens der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) in Wien weiter. Denn Libyen werde immer noch von einem Bürgerkrieg zerrissen.

Äähnlich wie der Deal mit der Türkei gedacht

Einige EU-Länder wie Österreich und Ungarn wollen mit Tripolis ein Abkommen zur Rückführung von Flüchtlingen nach Libyen schliessen und orientieren sich dabei am Flüchtlingsdeal zwischen der EU und der Türkei.

Die Vorschläge sehen unter anderem vor, in Libyen von der EU finanzierte und verwaltete Lager anzulegen, wo Flüchtlinge Asylanträge für Europa stellen können beziehungsweise müssen.

3500 Menschen starben bislang bei der Übernahme

In diesem Jahr kamen nach Angaben des Uno-Flüchtlingskommissariats UNHCR bereits mehr als 300'000 Flüchtlinge und Migranten über das Mittelmeer an die Küsten Europas. Allein von Libyen aus machten sich nach Angaben der EU-Grenzschutzbehörde Frontex bis Ende August 116'000 Flüchtlinge auf den Weg. Seit Jahresbeginn starben 3500 Menschen im Mittelmeer.

(sda/gku/chb)
 

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