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Linksradikaler erpresst Europa - Drachme-Drucker bereit

Die Rückkehr der Drachme gilt immer mehr als mögliches Szenario. (Bild: Keystone/Montage: Handelszeitung Online)

Der Chef der griechischen Linksradikalen, Alexis Tsipras, geht mit der Eurozone auf Konfrontation. EZB und EU-Kommission bestätigen erstmals die Existenz eines Notfallplans. Und der weltgrösste privat

Veröffentlicht am 18.05.2012

Alexis Tsipras wirft den Partnern in der Eurozone den Fehdehandschuh hin. Der Chef der griechischen linksradikalen Syriza-Partei sagte im Gespräch mit dem «Wall Street Journal» (WSJ), er glaube nicht, dass Europa die Finanzierung seines Landes einstellen werde. Komme es jedoch dazu, werde Athen seine Schulden nicht mehr bedienen.

Ein Finanzkollaps in Griechenland würde den Rest der Eurozone mit sich ziehen, warnte der 37-jährige Tsipras. «Unsere erste Wahl ist, die europäischen Partner zu überzeugen, dass in ihrem eigenen Interesse die Finanzierung nicht beendet werden darf», wird Tsipras zitiert. Sein Land habe nicht die Absicht, einseitige Schritte zu unternehmen, «aber wenn sie einseitig handeln, also die Zahlungen einstellen, sind wir gezwungen, die Schuldenbegleichung bei unseren Gläubigern zu stoppen, die Zahlungen an sie auszusetzen.»

Tsipras gibt sich entspannt. «Wenn es hart auf hart komme, werde Griechenland allein zurechtkommen», so das «WSJ». Würde die Schuldenbedienung eingestellt, wäre genug Geld vorhanden, um die Angestellten und Rentner zu bezahlen, sagte er. Dazu will er an den Verteidigungsausgaben sparen, Verschwendung und Korruption bekämpfen und gegen die Steuerflucht der Reichen vorgehen.

Notfall-Szenario gegen Domino-Effekt

Die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank (EZB) arbeiteten derweil an Notfall-Szenarien für den Fall, dass Griechenland aus der Euro-Zone austreten sollte. Dies sagte EU-Handelskommissar Karel De Gucht in einem Interview in der belgischen Zeitung «De Standaard».

«Vor eineinhalb Jahren mag die Gefahr eines Domino-Effekts bestanden haben», sagte De Gucht. «Aber nun arbeiten Abteilungen in der Europäischen Zentralbank und in der Europäischen Kommission an Notfall-Szenarien für den Fall, dass es Griechenland nicht schafft.»

Es ist das erste Mal, dass ein Vertreter der EU-Kommission die Existenz von Notfallplänen für den Fall eines griechischen Euro-Austritts öffentlich einräumt.

Vorbereitung auf die Drachme-Rückkehr

Der weltgrösste private Gelddrucker De La Rue stellt sich gemäss «Welt Online» auf die Rückkehr der griechischen Drachme ein. Angesichts eines möglichen Euro-Austritts Griechenlands müsse man sich auf alle Eventualitäten vorbereiten, wurde ein Insider zitiert. Das britische Unternehmen druckt Banknoten für mehr als 150 Währungen - die Drachme produzierte es zuletzt vor mehr als zwei Jahrzehnten.

Vergangenen Monat legte der Aktienkurs von De La Rue um 11 Prozent zu. Falls Griechenland tatsächlich zur Drachme zurückkehre, dürfte vor allem die Staatsdruckerei die Banknoten herstellen, sagte Analyst Paul Jones von Panmure: «Aber die werden sich zusätzliches Volumen von aussen holen, und das ist die Chance von De La Rue.»

(vst)

 

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