Trotz des Verbleibs Schottlands in Grossbritannien hält sich die Grossbank Lloyds die Tür für eine Verlegung des Konzernsitzes von Edinburgh nach London offen. In einer Mitteilung des Geldhauses am Freitag hiess es lediglich, dass Lloyds «eine starke Präsenz» in Schottland behalten sowie sich auf Kredite für Hausbauer und Unternehmen in der Region konzentrieren wolle. Laut Analysten könnte die Bank Pläne für ihren Geschäftssitz Ende Oktober oder Anfang November bekanntgeben.

Lloyds hatte wie die Royal Bank of Scotland (RBS) im Vorfeld des Schotten-Referendums mit der britischen Notenbank über einen solchen Schritt beraten. Experten hatten davor gewarnt, dass die Bank of England bei einer Loslösung Schottlands nicht mehr für schottische Kreditinstitute zuständig sei.

Royal Bank of Scotland bleibt schottisch

Sowohl Lloyds als auch RBS wurden in der Finanzkrise mit Steuer-Milliarden gerettet. Schon heute sitzen die meisten Top-Manager von Lloyds in der Londoner Hauptgeschäftsstelle. Der eingetragene Firmensitz ist aber Edinburgh, womit Lloyds bei einer Abspaltung eine schottische Bank geworden wäre.

Die Royal Bank of Scotland und der Versicherer Standard Life, die ebenfalls mit einer Verlegung ihres Sitzes gedroht hatten, teilten dagegen mit, ihre Pläne für einen Umzug nach London begraben zu haben. Unerwartet deutlich hatten die Schotten am Donnerstag für einen Verbleib bei Grossbritannien gestimmt. In dem weltweit mit Spannung verfolgten Referendum sprachen sich 55 Prozent gegen die Abspaltung aus. Der britische Premierminister David Cameron stellte der Region mehr Befugnisse in Aussicht.

(reuters/ise)